Volljurist

Volljurist mit zwei VB und voll zufrieden

 

Der in Deutschland umgangssprachlich verbreitete Begriff „Volljurist“ basiert nicht auf einem Hipster mit Vollbart, nicht auf einem Vollrausch und leider viel zu selten auf einem „vollbefriedigend“. Allerdings wären Prädikatsexamen ein guter Grund zum Feiern, denn mit einem Prädikatsexamen, was deutlich über dem Durchschnitt liegende Leistungen attestiert, stehen dem Volljuristen alle Türen zum juristischen Markt offen und er muss sich um seine Karriere nicht mehr sorgen. Vorausgesetzt er hat nach dem universitären Studium der Rechtswissenschaften, der ersten juristischen Prüfung, dem Rechtsreferendariat an einem Oberlandesgericht und dem zweiten Staatsexamen seinen „Assessor juris“ nicht nur gebührlich gefeiert, sondern neben den begehrten Punktzahlen auch die komplette Kriegsbemalung mit Promotion und LL.M. angelegt. Wenn er seinen Master of Law im englischsprachigen Ausland absolviert hat, sind die Legal Recruiter voll zufrieden. Der Volljurist ist der Liebling der Recruiter. Er muss nur einen kühlen Kopf bewahren und seine Entscheidung treffen – zwischen Richteramt, Staatsdienst, Rechtsabteilung und Law Firm. Leider ist aber das Entscheiden auch für Juristen nicht so einfach, vor allem wenn es dabei um den zukünftigen Berufsweg und letztlich das eigene Leben geht. Schließlich ist ja Geld nicht alles, oder doch? Die Gahltsspirale dreht sich und er wird von unzähligen Wirtschaftskanzleien, WP-Gesellschaften, Headhuntern und Recruitern umworben. Man bringt ihm die verlockenden und lukrativen Angebote direkt ins Haus, wenn er die magische Grenze der 9 Punkte zum vollbefriedigend überschritten hat, ob er am Ende mit seinem Berufseinstieg voll zufrieden ist, steht auf einem anderen Blatt.

Juristische Notenskala
  • ungenügend 0 - 1,49
  • mangelhaft 1,5 - 3,99
  • ausreichend 4,00 - 6,49
  • befriedigend 6,5 - 8,99
  • vollbefriedigend 9,00 - 11,49
  • gut 11,5 - 13,99
  • sehr gut 14 - 18

 

Befähigung zum Richteramt und Zulassung zur Anwaltschaft

Der Volljurist könnte auch Richter werden. Die juristische Ausbildung zielt in Deutschland immer noch auf den habilitierfähigen Oberlandesgerichtsrat, obwohl Richteramt und Professur nur für eine verhältnismäßig geringe Zahl der Volljuristen zum Tragen kommen. Viel wahrscheinlicher ist der Weg in die Anwaltschaft. Diesen zulassungspflichtigen Beruf wählen, in Abhängigkeit der Noten mehr oder weniger freiwillig, ca. 70 Prozent der dafür berechtigten Volljuristen. Aber ein Volljurist ist (noch) kein Rechtsanwalt. Das Bestehen der Assessorenprüfung ist nur die Voraussetzung, die Zulassung erfolgt erst auf Antrag bei der Rechtsanwaltskammer. Sie beinhaltet anwaltliche Rechte und Pflichten, aber keine Ausbildung zum Rechtsanwalt.

Vollanwalt

Obwohl der Begriff Volljurist heute als Erklärung für die einheitliche Ausbildung von Studium-Referendariat-Examen dient, ist er wohl eher auf den im 17. Jahrhundert in Deutschland erstmals erwähnten Vollanwalt zurückzuführen. Denn nachdem sich die Teilung von Prokuratur und Advokatur langsam aufhob, war nun auch der Advokat befugt beim Prozess anwesend zu sein und sein selbst verfasstes Gutachten nicht mehr dem Prokurator, sondern dem Gericht einzureichen. Er vereinigte fortan beide Funktionen, das Schreiben und das Sprechen, in einer Person – dem Vollanwalt. Der Unterschied zwischen einem Vollanwalt und dem Volljuristen bleibt die Postulationsfähigkeit. Der Vollanwalt darf vor Gericht vertreten, der Volljurist aber muss zunächst die Zulassung zur Anwaltschaft beantragen, bevor ihm dieses anwaltliche Berufsrecht zusteht.