ReFa-Absolventen 2017 RAK Brandenburg

Holen Sie den Nachwuchs doch aus Brandenburg…

… sagt der personalverantwortliche Partner der Berliner Kanzlei zum Officemanager. Wenn die auf dem Land kein Internet haben, denn schalten Sie eben eine Printanzeige. Die Brandenburger Mädchen werden doch froh sein, wenn sie eine gut bezahlte Stelle in der Großstadt bekommen, die wollen doch alle nach Berlin. Das, lieber Anwalt, funktioniert schon seit Jahren nicht mehr.

  1. Nur 5,3 % der Brandenburger Anwälte bildet aus.
  2. Der Leistungsdurchschnitt liegt bei 3,5. Das ist nicht gerade das, was Sie sich wünschen.
  3. Es gibt seit 2017 nur noch eine Ausbildungsstelle und zwar das OSZ Potsdam. Es werden sich zukünftig noch weniger auf den Ausbildungsweg begeben.
  4. Wer in Brandenburg seine Ausbildung gemacht hat, hat gar nicht vor in die stressige Großstadt zu ziehen und in einer anonymen Großkanzlei zu arbeiten.
  5. Selbst wenn Sie eine ReFa bekommen, kann die kein Notariat.

ReNo-Umschüler mit RAK-Prüfung 2017 in Berlin

ReNo Umschulung 2017

ReNos werden dringend gebraucht.

Der Mangel in dieser Berufsgruppe ist auch der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter bekannt. Die ReNo gehört seit Jahren, neben den Berufskraftfahrern und Pflegekräften, zu den besonders förderungsfähigen Berufen der Bundesagentur für Arbeit. Hier werden nicht nur Umschulungen bewilligt, sondern auch jedem, der aus einem gesundheitlich oder persönlichen Grund im Erwachsenenalter noch einmal eine Ausbildung machen möchte, dingend empfohlen. Dabei scheint es oft keine Rolle zu spielen, ob er oder sie an diesem Berufsbild Interesse zeigen, man verspricht, dass man in jedem Fall einen Job findet.

„Die Anwälte suchen immer, da bekommen sie nach der Umschulung garantiert einen Job.“

Die Umschulung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten wird in Berlin von mehreren privaten Bildungsträgern angeboten. Innerhalb von 24 Monaten lernen die Erwachsenen in der schulischen Ausbildung theoretisch, was praktisch wichtig ist. Eingeschlossen ist ein 10 monatiges Praktikum in einer Kanzlei bestenfalls auch in einem Notariat. Ziel der Ausbildung ist die Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer Berlin. Immerhin haben sich im Jahr 2017 von den in Berlin geschulten Umschülern 103 der Kammerprüfung gestellt. Die ist als mutiger Schritt zu werten, denn oft fühlen sich die Umschüler trotz einer 6 Wöchigen Prüfungsvorbereitung nicht genügend auf die Kammerprüfung vorbereitet. Die Ursachen sind bei einer schulischen Ausbildung in der mangelnden Praxis zu suchen. Die praktische Arbeit einer ReNo unterliegt strengen Regeln und unabdingbaren Vorgaben, die durch das die ZPO und das anwaltliche Berufsrecht BORA und BRAO vorgegeben sind. Man erlernt sie durch stoisches Üben und hämmernde Wiederholung. Dies erweist sich in einer schulischen Ausbildung als schwierig und fundamentiert sich meist während des Praktikums. Im Rechtsanwaltsbereich kann man als Umschüler wenigstens mit Diktaten beschäftigt werden, im Notariat kann man schon stolz sein, wenn man mal eine Urkunde nähen darf. Einem Umschüler wird in der Regel während des Praktikums noch weniger zugetraut als einem Auszubildenden, was zur Folge hat, dass sie die notwendige Praxis während der Umschulung nicht erreichen. Die Noten der Kammerprüfung liegen oft noch unter dem Durchschnitt der Auszubildenden, ein Drittel verlässt die Umschulung mit einem „nicht bestanden.“ Bei gerade einmal 103 Prüfungsteilnehmern, muss man davon ausgehen, dass eine gewisse Anzahl von Umschülern sich der Kammerprüfung nicht unterziehen, weil sie einfach der Mut verlassen hat.

An die Umschulung reihen sich Praktika und geförderte Arbeitsplätze

Die Ernüchterung setzt für die meisten Umschüler ein, wenn sie die Umschulung abgeschlossen haben und mit den besten Wünschen in den Arbeitsmarkt entlassen werden. Auf viele Bewerbungen erfolgt nicht einmal eine Reaktion, andere werden AGG konform abgesagt, nur wenige führen zum Vorstellungsgespräch. Die Hoffnung ist ebenso groß wie die nachfolgende Enttäuschung. „Ach, sie haben nur ein Praktikum und ansonsten gar keine Berufserfahrung in einer Kanzlei?“ Es hagelt Absagen. Und so sitzt der Umschüler wieder im Jobcenter. Na, wenn es an der Praxis hapert, dann sollten wir es mal mit einem Praktikum versuchen, das wird von der Agentur gefördert. Es folgen drei Praktika, in denen der Umschüler nun wenigstens ein bisschen praktische Erfahrungen sammeln kann. Dann gibt es ja noch den Arbeitgeberzuschuss. Je nach individuellen Voraussetzungen des Förderwürdigen übernimmt die Agentur die Lohnzahlung ganz oder teilweise. Gut, das hilft dem Arbeitgeber. Der geförderte Mitarbeiter wird meist nach Ablauf der Förderung wieder entlassen. Es ist schwierig, sagt der Arbeitgeber: „Die Umschüler sind ja teilweise älter als unsere erfahrenen Kollegen und können trotzdem viel weniger, das haben wir uns anders vorgestellt.“

Motivation, Lebenserfahrung und Leistungswille 

Was hier passiert ist ebenso verschwenderisch wie kurzsichtig. Da hat ein Mensch in der Mitte seines Lebens noch einmal den Mut gefasst und die Anstrengungen einer Ausbildung auf sich genommen, hat sich in Praktika mit Hilfsarbeiten abgegeben und trotzdem sein Bestes gegeben, hat sich nicht selten Geringschätzung und sogar Mobbing-Attacken ausgesetzt, hat sich einer Kammerprüfung unterzogen, die selbst wesentlich jüngere Prüfungsteilnehmer schwitzen lässt, hat hunderte Bewerbungen geschrieben und scheitert nun daran, dass er innerhalb der Probezeit nicht genauso schnell und fehlerfrei arbeitet, wie die langjährigen Kanzleimitarbeiter. Dabei würde er die Chance gern nutzen, denn sein erster Beruf ist vielleicht der Digitalisierung zum Opfer gefallen oder kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeführt werden oder aber er will jetzt unbedingt im Notariat arbeiten, weil es ihm einfach Freude bereitet.

Die seit Jahren angestimmten Klagelieder über den ReNo-Mangel haben bei den Arbeitgebern leider noch nicht zu der Einsicht geführt, dass man seine Tür weit aufmachen muss, um einen neuen Mitarbeiter zu gewinnen. Der viel zitierte demografische Wandel sorgt auch dafür, dass man den zweiten Bildungsweg als Chance nutzen sollte. Man kann sich sogar glücklich schätzen, dass dies noch von der Agentur für Arbeit gefördert und teilweise zu 100% finanziert wird.

P.S. Es gibt übrigens nicht wenige ReNos, die von der Agentur für Arbeit eine Umschulung bewilligt bekommen, weil sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten möchten oder es gesundheitlich nicht mehr verkraften.

ReNo-Auszubildende 2017 RAK-Berlin

ReNo-Auszubildende-Berlin-2017134 Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte wurden 2017 im Oberstufenzentrum Recht an der Hans-Litten-Schule in Berlin Charlottenburg in zwei Ausbildungsgängen (Frühjahr und Herbst) erfolgreich zur Abschlussprüfung geführt. Allerdings lösten genau so viele – 134 Auszubildende –  ihren mit einer Berliner Kanzlei geschlossenen Ausbildungsvertrag vorzeitig auf. Von den knapp 300 mühsam angeworbenen Schülern stellten sich nur 162 der Abschlussprüfung. Die Durchfallquote lag dennoch bei 23,65 %. Also standen den 14.025 in Berlin zugelassenen Rechtsanwälten 134 frische gebackene ReNo´s mit durchweg mittelmäßigem Abschluss zur Verfügung. Auf 1000 Rechtsanwälte kommen in Berlin nur 41 Auszubildende. Laut DAV Statistik findet sich die niedrigste Ausbildungsdichte in den Kammerbezirken Frankfurt am Main (31), Berlin (41) und München (53).

Die Auszubildenden des Ausbildungsjahres 2018 bereiten sich gerade auf ihre Abschlussprüfung vor. Es ist übrigens keine Verbesserung der Lage zur erwarten. Zum Stichtag (30.Juni 2018) waren in Berlin erst 57 Ausbildungsverträge geschlossen.

Wie aus der Recruiterin eine Gründelente wurde.

Gründelente

Ich weiß, es gibt keine Gründelenten, aber ich bin wohl eine. Viele Wasservögel beherrschen die Technik der Nahrungssuche unter Wasser, indem sie einfach nach vorne über kippen. Die großen Schwäne mit ihrem langen Hälsen sind in tieferen Gewässern natürlich wieder klar im Vorteil. Aber was bleibt der Ente, wenn die fette Entengrütze auf dem See weggeschanttert ist. Sie kippt vorne über und wühlt mit dem Schnabel den Schlamm auf. In der Hoffnung, dass sich in der trüben Brühe irgendetwas Verwertbares zur Nahrungsaufnahme finden lässt, steckt sie fast den ganzen Tag samt Kopf und Hals im Wasser. Das nennt man gründeln. Da unten trifft sie dann auf diese  am Boden lebenden Fische, die mit ihrem komisch geformten breiten Maul ständig den Boden absaugen. Also bleibe ich bei der Gründelente.

Mit dem Kescher zu neuen Ufern

Als ich vor 11 Jahren als Recruiterin im juristischen Assistenzbereich meine Netze auswarf, hatte ich den Kescher als Sinnbild meiner Tätigkeit. Vorsichtig, aber durchaus mit Schwung und Elan, habe ich meine Kandidaten aus dem Teich gehoben.  Nach gewissenhafter Begutachtung und sorgsamer Behandlung habe ich sie an neue Ufern gebracht oder ihnen in größere Gewässer geholfen. Manche habe ich aus einem Strudel oder Sog befreit und wieder in ein klares Wasser und eine schönere Umgebung versetzt.

Am Boden angekommen

Ein Jahrzehnt später stehe ich selbst knietief im Wasser. Ich gründele! In der Hoffnung, dass sich in dem Teich noch irgendetwas bewegt. Aber der Nachwuchs ist spärlich, viele schaffen es auch gar nicht bis an die Oberfläche. Ein Berufsbild, das, wie das der ReNoPat, seit Jahren rückläufige Ausbildungszahlen, steigende Abbruchraten und sinkende Notendurchschnitte aufweist, ist längst bei der Agentur für Arbeit als Problemfall gelistet. Jeder Ausbildungplatzsuchende, egal ob geeignet oder nicht, bekommt die Empfehlung zur ReNo-Ausbildung.  Jeder Anspruchsberechtigte für eine Umschulung bekommt eine ReNo-Empfehlung.

„In dem Beruf der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten wird immer gesucht, da bekommst auch du einen Job.“

Und so wächst die Zahl derer, die da unten am Grund rumdümpeln und nie ohne Hilfe an die Oberfläche kommen werden. Am Ufer des Teiches, in der sichtbar untergehenden Abendsonne, sitzen übrigens dicht gedrängt die Rechtsanwälte. Die Notare haben vor allem am Nordufer Position bezogen, die Patentanwälte eher an der Südseite, im Westen liegen die Sachwalter der Insolvenzrechtskanzleien auf der Lauer und im Osten verstecken sich die Immobilienfirmen und der öffentliche Dienst. Alle warten. Sie warten übrigens schon über ein Vierteljahrhundert darauf, dass sich der Teich wieder füllt und sie hoffen vor allem auf junge, flinke Nachwuchskräfte.  Die, die sie schon mehrmals im Kescher hatten, und dann nach einer Befristung, Probezeit oder Zeitarbeit wieder zurückgekippt haben, wollen sie natürlich nicht mehr.

Trübe Aussichten

Aber sie wollen auch nicht selber gründeln. Dafür gibt es ja Recruiter und Headhunter. In der Hoffnung, dass wenigstens ein Personalvermittler einen Fang anschleppt, werden gleich mehrere ins Rennen geschickt. Die locken dann ihrerseits mit Wasser und Obstkorb. Man merkt, dass sie den Lebensraum der ReNoPat oft wenig kennen. Aber der Schnellste gewinnt. Einfach den Lebenslauf oder gleich das xing-Profil hinschicken und dann gucken, ob man der Erste war. Nun, seit einiger Zeit ist der Boden sehr aufgewühlt, das Wasser ist trübe und die schlauen Kandidaten verstecken sich gekonnt im Schilf oder wandern in einen anderen Teich ab.

Aber die Gründelente kennt natürlich die Verstecke und sie geht ab und zu mal schnattern.


P.S. Schön wäre es natürlich, wenn die Berufsträger auf ihren Uferbänken mal mitsingen würden.

 

Warum waren so wenig Frauen auf dem Anwaltszukunftskongress?

Ob sie eine Assistenz haben oder nicht

Anscheinend ließ die Erinnerung an die attraktive ntv-Moderatorin oder an die fehlende Tanzpartnerin bei der Abendveranstaltung auf dem Anwaltszukunftskongress in Köln im nachhinein bei dem ein oder anderen Teilnehmer doch noch die Frage aufkommen:

Warum waren so wenig Frauen auf dem Kongress zu sehen und vor allem zu hören?

Auch ohne digitales Analysetool kann man leicht feststellen, dass es wenig Frauen in technischen Berufen gibt, zu wenig Frauen in der Softwarebranche, ganz wenig weibliche Gründerinnen, vor allem im Legal-Tech-Bereich und viel zu wenig weibliche Führungskräfte und Partnerinnen in Anwaltskanzleien. Da war es doch leicht vorherzusagen, dass man nur wenigen Frauen auf dieser Veranstaltung begegnen würde.

Die AnwenderInnen der digitalen Lösungen

Es sei denn, der ein oder andere Kanzleieigner hätte seine Rechtsanwaltsfachangestellte oder die Rechtsfachwirtin seiner Kanzlei nach Köln eingeladen. Das wäre ja zumindest bei den Themen Kanzleiorganisation, digitale Spracherkennung, Arbeiten in der Cloud und mit beA sicher ganz hilfreich gewesen. Als tägliche Anwenderin kennt sich die Fachkraft mit den Softwarelösungen rund um Posteingang und Dokumentenmanagement nämlich bestens aus. Sie  weiß sehr genau, was sich bei der Mandatsbearbeitung durch technische Lösungen schneller, standesrechtlich sicher und kostengünstig erledigen lässt oder eben auch nicht. Sie hätte die Gelegenheit nutzen können, um sich von Anbietern wie z.B. ReNoStar und DATEV schon einmal demonstrieren zu lassen, was sie bei der Softwareeinführung der nächsten Generation alles lernen muss. Aber dafür gibt es ja dann sicher andere Gelegenheiten, die von der Kanzlei extra für die ReFa gebucht werden. Das dann allerdings möglichst nach Feierabend, denn zu den Bürozeiten ist sie in der Kanzlei unverzichtbar. Und auch nur deshalb durfte sie nicht mit, zum Zukunftskongress. Schließlich war die Personalsituation in der Assistenz schon in der Vergangenheit eine Katastrophe.

Ob Sie eine Assistenz haben…oder eben nicht!

In diesem Zusammenhang sollte man sich einmal die Frage stellen, ob sich durch die Digitalisierung, durch Legal-Tech und Künstliche Intelligenz etwas an dieser Problematik ändern könnte. Sicher sind die Diktier-, Sprach- und Schrifterkennungstools bereits auf einem sehr hohen Niveau und ein echtes Zeit- und Ressourcenpotential, nicht zuletzt für die Assistenz selbst. Aber machen wir uns nichts vor, auch die beste Kanzleisoftware muss bedient werden. Dass die ReFa dem Anwalt schnell noch beibringt, wie er seine RVG-Abrechnung macht und die Kostennote schreibt, bevor er sie (aufgrund Digitalisierung) entlässt, ist keine Zukunftsmusik, sondern reine Utopie. Der Kongress hat eher den Eindruck erweckt, dass das Anwaltsgeschäft schneller und einfacher standardisiert wird, als die Aufgaben der Fachassistenz. Annähernd 300.000 Assistenzkräfte arbeiten für die deutsche Anwaltschaft. Die Ausbildungsordnung für die ReNoPat wurde vor zwei Jahren grundlegend überarbeitet. Leider wurde sie nur der Gegenwart angepasst und nicht auf die Zukunft ausgerichtet.

Berufliche Ausbildung als Hexe

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Die Top-Suche auf meiner Homepage für die juristische Assistenz lautete in dieser Woche: „berufliche Ausbildung als Hexe“.  Welch zauberhafte Idee! Mein Dank an die Unbekannten, die diese Suchbegriffe ins Netz eingegeben haben! Die gleichlaufende Suche nach Gehilfinnen sei in diesem Zusammenhang verziehen. Denn welche Gehilfin (Angestellte) im Anwaltsbereich hätte sich nicht schon einmal gewünscht, hexen, zaubern oder hellsehen zu können? Nicht nur weil es in der Kanzlei oft zu viel zu tun gibt, wünscht sich die Anwaltssekretärin übersinnliche Kräfte. Der Wunsch entsteht eher aus der mangelhaften Kommunikation mit ihrem Anwalt. Was meint, wünscht oder erwartet er? Ein Post it auf der Akte spricht nicht, ein mürrisches Gesicht hingegen Bände. Ob sie etwas vergessen oder falsch gemacht hat? Sie weiß es nicht. Wenn er nicht spricht, dann beginnt sie ihn zu beobachten, zu interpretieren und für ihn voraus zu denken. Ob sie damit richtig liegt, erfährt sie nur, wenn es falsch war. Das ist das Besondere an der anwaltlichen Assistenz, man arbeitet weisungsgebunden und muss doch, eher heimlich, mit- und vorausdenken. Hellseherische Fähigkeiten würden an dieser Stelle sicher helfen.

Leider sind in der neuen Ausbildungsverodnung für die ReNoPat- Berufe auch diesmal keine Zauberstunden vorgesehen und es gibt auch keine berufliche Ausbildung als Hexe. Vielleicht haben ja sogar die Anwälte mit dieser Suchanfrage nach Auszubildenden gesucht? Denn um an der desolaten Ausbildungssituation noch etwas ändern zu können, braucht man schon magische Kräfte. Da sagt sich so mancher Anwalt oder Notar: Lieber eine Hexe in der Kanzlei, als gar keine Gehilfin.

Aber keine Angst,  sicher ist die mystische Suchanfrage nur auf den nahenden Halloween zurückzuführen. Die Assistentinnen haben einfach nach einer passenden Verkleidung gegoogelt und die Kostüme der blutsaugenden Vampire waren schon vergeben. Dagegen ist so eine kleine Hexe doch wirklich zauberhaft.

Schminken zu Halloween: Hexen Make-up leicht gemacht — by Horrorklinik.de

1. Wirtschaftsjuristentag: Rück- und Ausblicke einer jungen Berufsgruppe

DSC_0013Wenn Absolventen des ersten Jahrgangs eines Fachbereichs  genau 15 Jahre später neben ihren ehemaligen Profs im Seminarraum sitzen, dann ist dies ein gutes Zeichen und vielleicht der Anfang für ein jährliches Alumnitreffen der Wirtschaftsjuristen an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen.

Akzeptanz und Selbstverständnis

Der, aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Fachbereichs Wirtschaftsrecht stattfindende, 1. Wirtschaftsjuristentag  war aber kein gewöhnliches Ehemaligentreffen, es war eine profunde Bestandsaufnahme. Denn als man vor 22 Jahren in Mainz das wirtschaftsjuristische  Studium in Deutschland ins Leben rief, war in keiner Weise abzusehen wo, wann und wie die damals noch auf Diplom studierenden Wirtschaftsjuristen einmal „unterkommen“ würden. Aber genau um die Beantwortung dieser Frage ging es dem Dekan des Fachbereichs Wirtschaftsrecht, Professor Bernhard Bergmans, der am 25.09.2015 neben Professoren anderer wirtschaftsjuristischer Ausbildungseinrichtungen vor allem die Absolventen nach Recklinghausen rief. Es kamen nicht alle, der inzwischen 25.000 berufstätigen Absolventen und auch nicht von allen der über 40 Hoch- und Fachschulen, die den Bereich Wirtschaftsrecht in der Zwischenzeit für sich entdeckt haben, aber es war ein gelungener Anfang.

Nach einigen in den letzten Jahren erfolgten Analysen, Befragungen und Statistiken zur Arbeitsmarkt- und Berufsakzeptanz des Wirtschaftsjuristen war es nun an der Zeit, persönliche Erlebnisberichte, Erfahrungen und Best Practice zu sammeln. Denn es ist zwischenzeitlich etwas ruhig geworden, um den interdisziplinären Studiengang zwischen Wirtschaft und Recht. Die offenen Angriffe der Volljuristen haben sich gelegt, die Universitäten bilden in der Zwischenzeit selbst Wirtschaftsjuristen aus, die Kultusministerkonferenz fordert die weitere Diversifizierung der juristischen Ausbildung und die Arbeitgeber haben den Wirtschaftsjuristen zumindest schon einmal als kostengünstige Alternative zum Volljuristen erkannt. Was geblieben ist, ist die immer noch verbreitete Unkenntnis über Ausbildungsinhalte und Einsatzmöglichkeiten der Juristen ohne Examensprüfung und Anwaltszulassung. Zugute halten muss man den Unternehmen und Personalern, dass die Zahl und Verschiedenartigkeit, insbesondere der Masterstudiengänge, kaum zu überblicken ist. Hier sind die Hochschulen im Werben um die zukünftigen Studenten wohl in ihrem Wunsch nach Einmaligkeit etwas über das Ziel hinaus geschossen. So ist auch die Anmerkung zu verstehen, dass es eher schwer ist, sich beim Hochschulwechsel Studienergebnisse anerkennen zu lassen. Aber hier kann der Austausch zwischen den als Tagungsreferenten geladenen Professoren aus Wismar, Kassel, Heilbronn und Pforzheim sowie die Wirtschaftsjuristische Hochschulvereinigung sicher Abhilfe schaffen. Der Wunsch nach Austausch und Vernetzung war von allen Beteiligten klar zu spüren, wenn es auch noch an tragfähigen Strukturen fehlt. In diesem Punkt ist der Studiengang noch ganz am Anfang. Aber Austausch und Selbstverständnis sind unverzichtbar. Der Wirtschaftsjurist ist eben kein klar definierter Beruf, nicht einmal eine geschützte Bezeichnung. Der Wirtschaftsjurist wird erst dann dauerhaft und vor allem seinem Wissen nach adäquat eingesetzt, wenn sein Berufsprofil klar erkennbar ist. Zugegeben, es ist eine Herausforderung und es birgt auch Gefahren, das Profil eines interdisziplinären Studiengangs genau zu schärfen, aber es ist andererseits die einmalige Chance, sich gegenüber dem breit aufgestellten Volljuristen zu positionieren. In den Diskussionen kam deshalb mehrmals die Frage auf:

Was erwartet die Wirtschaft von unseren Absolventen, welche Ausbildungsinhalte müssen wir aufnehmen, um zukunftsfähig zu bleiben?  

Bei der Komplexität, Divergenz und Internationalität unserer Wirtschaft läuft man Gefahr, sich zu sehr zu verzweigen und auch auf Entwicklungen aufzuspringen, die viel zu kurzlebig sind, als das das Bildungssystem darauf überhaupt reagieren könnte. Andererseits muss man die Studenten aber auch lenken und ihnen zeigen, in welchen Bereichen, sie dringend gebraucht werden. Um zukunftsfähig zu bleiben, ist es heute auch für Hochschulen unabdingbar, sich mit gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und vorauszudenken. Dabei geht es aber nicht nur um das Definieren von Arbeitsfeldern, sondern vielmehr darum,  die Kompetenzen der Zukunft zu erkennen und zu vermitteln. Das, was mit dem Wort „Soft Skills“ mehr erschlagen als beschrieben wird, ist der eigentliche Mehrwert des Wirtschaftsjuristen gegenüber dem Volljuristen. Wer für den Staatsdienst ausgebildet wird, ausschließlich am Fall arbeitet, seine Jugend in der Bibliothek und mit Beck online verbringt und selbst seinen Urlaubsbericht (samt Klage wegen Verspätung  des Fliegers und Baulärm in Hotelnähe) im Gutachtenstil verfasst, der hat zugegeben im Unternehmen einige Anpassungsschwierigkeiten. Hier liegt die Chance des Wirtschaftsjuristen. Vorausgesetzt, er hat die im Unternehmen unverzichtbaren Kompetenzen erworben oder weiß zumindest, worauf es ankommt. Dass Unternehmen im Bereich Compliance Wirtschaftsjuristen bevorzugen, ist keine Kostenfrage. Im Compliance geht es um Prozesse, um Steuerung, um Projekte und um Kommunikation auf allen Unternehmensebenen. Hier ist der Wirtschaftsjurist klar im Vorteil, wenn er auf diese Arbeitsweise bereits vorbereitet wurde. Wenn Bachelor- und Masterstudenten an den Fachhochschulen andererseits Probleme mit dem Verfassen der wissenschaftlichen Abschlussarbeiten haben, dann liegt es vielleicht auch daran, dass sie von Praktikern gelernt haben.

„Wissen. Was praktisch zählt.“

Dies steht auf der Tagungsmappe des 1. WiJu-Tages. Es ist zu wünschen, dass man sich diesem Slogan treu bleibt und sich noch mehr abgrenzt vom klassischen Nur-Juristen. Die Absolventen brauchen diese Abgrenzung, sie brauchen neben dem eigenen Selbstbewusstsein, das Selbstverständnis ihres Berufsstandes. Erst, wenn sie sich nicht mehr rechtfertigen, warum sie nicht Voll-Juristen sind, sondern ganz selbstverständlich davon sprechen, dass sie inhaltlich und praktisch für die Wirtschaft ausgebildet wurden, werden sie die Positionen im Unternehmen bekommen, die sie verdienen – und entsprechend verdienen. Inwieweit das bereits gelungen ist, ist in dem Tagungsband „Zwanzig Jahre Wirtschaftsjuristenausbildung“ detailliert beschrieben. Ein Dank an dieser Stelle dem Herausgeber Prof. Bernhard Bergmans und dem Logos Verlag Berlin. Der Band wird bis zum 2. Wirtschaftsjuristentag willkommener Anreiz sein, die Entwicklung zu beobachten und anzuschieben.

P.S. Wenn das Selbstverständnis der Wirtschaftsjuristen gereift ist, dann wird man auch in der Agentur für Arbeit erkennen, dass Wirtschaftsjuristen keine Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten sind. Außer dem Umstand, dass ihnen für diese Berufstätigkeiten die notwendigen Kammerprüfungen fehlen, sollen die Bachelor-  und Masterabsolventen doch nicht als schnelles Pflaster für die desolate Nachwuchssituation in den juristischen Assistenzberufen dienen. Wenn man langfristig darüber nachdenkt, Anschlussqualifizierungen für den Rechts- Notar- und Insolvenzbereich zu entwickeln, dann sollte man zunächst über die Möglichkeiten einer arbeitsteiligen und respektvollen Zusammenarbeit zwischen Volljuristen und Wirtschaftsjuristen nachdenken. Denn wo ein Mangel ist, gibt es nicht nur einen Weg, sondern auch einen Grund.