ReFa-Absolventen 2020 Hamburg

ReFa-Absolventen 2020 Hamburg

ReFa-Absolventen sind in Hamburg tatsächlich nur Rechtsanwaltsfachangestellte. Im Gegensatz zu Berlin gibt es in der Hansestadt keine Anwaltsnotare, also auch keine ReNo. Die Notarfachangestellten werden von der Notarkammer geprüft.

Messestand und Schulbesuche

Die aktiven Bemühungen der Hanseatische Rechtsanwaltskammer  im Sinne der Nachwuchsgewinnung im ReFa Bereich führen zu ersten kleinen Erfolgen. Wenn auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nur geringfügig von 125 auf 134 gestiegen ist, so ist aber die Zahl der Abbrecher im Vergleich zu Berlin sehr niedrig. Während in Berlin 100 Azubis vor der Kammerprüfung ihre Ausbildung abgebrochen haben, sind es in Hamburg nur 6 Enttäuschte.

Transparenz und Information 

Transparenz und eine gezielte Information über Anforderungen und Erwartungshaltungen bringt eben doch etwas. Während Jobmessen wie die Einstieg Abi und Schulveranstaltungen sich direkt an Schüler und potentielle Auszubildende richten, erreicht man in den Arbeitsämtern und Jobcentern die Berufsberater und Arbeitsvermittler. Hier ist es wichtig, das Berufsbild der ReFa, Anforderungen der Kanzleien und Chancen des Berufs ins richtige Licht zu rücken. Viele die ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen, unmotiviert schleifen lassen oder nach bestandener Prüfung in eine andere Branche wechseln, haben falsche Vorstellungen von der Arbeit als Rechtsanwaltsfachangestellte.

Gute Marktchancen für gute Auszubildende

Nur weil gefühlt jeder Rechtsanwalt eine Rechtsanwaltsfachangestellte sucht, sollte man nicht jeden (der ansonsten nichts gefunden hat) zu einer ReFa Ausbildung schicken. Leider ist dies aber seit Jahren gängige Praxis. „Wenn Du nicht LKW-Fahrer werden willst, dann werde ReFa. Anwälte suchen auch immer.“ Aber Abbrecher, Durchfaller und unmotivierte Azubis schaden dem Ausbildungsbetrieb. Sie schaden auch dem Image der Branche und nicht zuletzt dem jungen Menschen. Die Qualität der Ausbildung ist auch in Hamburg nicht befriedigend. Wenn von 105 Azubis noch nicht einmal die Hälfte gut ist, dann ist das nicht ausreichend.

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ReNo-Umschüler 2020 Berlin

ReNo Umschüler 2020 Berlin

Auch die Zahl der ReNo-Umschüler 2020 in Berlin kann die Situation am Nachwuchsmarkt in keiner Weise spürbar verbessern.

Viel Aufwand  – wenig Nutzten

Vor wenigen Jahren gab es noch vier Bildungsträger, die eine Umschulung zum Beruf der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten in Berlin angeboten haben. Jetzt sind es noch zwei. Was angesichts der geringen Anzahl der Absolventen sogar noch viel erscheint. Von 30 Prüfungsteilnehmern haben 22 die Kammerprüfung immerhin bestanden. Im Notariatsbereich wird übrigens keine Umschulung angeboten. Dabei ist der Bedarf groß und es gibt es viele Notare, die mit großen Engagement versuchen aus Rechtsanwaltsfachangestellten nun Notarfachangestellte heranzubilden. Aber mit ein paar Online-Seminaren ist das nicht getan. Der Beruf ist komplex und gleichzeitig einzelfallgeprägt, es bedarf einer fundierten praxisbezogenen Ausbildung, Geduld und Übung, Übung, Übung.

Viel Hoffnung – wenig Chancen

So sind die Bemühungen der Umschüler, in einer Kanzlei Fuß zu fassen, nicht immer erfolgreich. Oft werden sie nach Praktika mit dem Satz: „Ich dachte, Sie würden schon mehr können.“ wieder entlassen. Das ist frustrierend und schadet dem Berufsimage. Wenn es auch nachvollziehbar ist, dass man in einem notorisch unterbesetzten Büro wenig Zeit und Kraft hat, um einzuarbeiten und anzulernen, es ist eine Chance. Angesichts der sinkenden Ausbildungszahlen vielleicht die letzte. Man wirbt für die Umschulung zur ReNo übrigens mit dem Mindestlohn.

„Sie haben Ihre Umschulung erfolg­reich abgeschlossen? Dann liegt Ihr Einstiegs­gehalt in Berlin zwischen 1500 EUR und 1700 EUR im Monat“
(Quelle: rechtsanwaltsfachangestellte.org)

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ReNo-Absolventen 2020 Berlin

ReNo Absolventen 2020 Berlin

Pandemiebedingt erscheinen die Zahlen der ReNo-Absolventen 2020 Berlin etwas verspätet. Was die Rechtsanwaltskammer Berlin in ihrem Jahresbericht 2020 als „stabil trotz schwieriger Rahmenbedingungen“ beschreibt, ist zwar keine positive Entwicklung, aber tatsächlich verhältnismäßig stabil. „Nur“ 100 Auszubildende haben ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst. Noch weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge als 2019 und 27% bestehen die Kammerprüfung nicht. Es hätte keiner Pandemie bedurft, um den ReNo-Beruf auf das Sterbebett zu legen. Seit Jahren siechen die Zahlen dahin. Berlin steht hier nur exemplarisch für die Gesamtsituation in Deutschland.

Keine Werbung – schlechtes Image

Dass Ausbildungsmessen und Schulwerbeveranstaltungen pandemiebedingt nicht stattfinden konnten, ist keine Begründung dafür, dass die Branche von der Jugend nicht wahrgenommen wird. Der Beruf ist nicht nur kaum bekannt, sondern hat auch ein schlechtes Image. Wer sich für eine Ausbildung zur ReNo entscheidet, kommt selten voller Begeisterung. Die Bewerber kommen meist auf Empfehlung der Agentur für Arbeit mit dem Hinweis, Anwälte suchen immer, da bekommt jeder einen Job.

Sinkende Qualität der Ausbildung

Da kann man nicht hoffen, dass die wenigen Auszubildenden einen guten Ausbildungsabschluss erzielen. Auch die Leistung ist enttäuschend. 20 % der Auszubildenden haben die Prüfung nicht bestanden 30% haben nur ausreichend erzielt. Das ist alles andere als ausreichend für Berlin.

Der Beruf ist besser als sein Ruf

Dabei hat der Beruf sehr an Attraktivität gewonnen. Krisensicher und unverzichtbar – das hat die Pandemie gezeigt. Sogar eine Flexibilisierung der Arbeit ist möglich. Homeoffice, Selbstorganisation und Vertrauensarbeitszeit – wer hatte sich das vor wenigen Jahren träumen lassen. Es muss sich nur noch rumsprechen…

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ReNoPat-Ausbildung in der Krise

ReNoPat Ausbildung in der Krise
Die ReNoPat-Ausbildung ist nicht nur pandemiebedingt in der Krise. 

Dieses Ausbildungsjahr ist anders als je zuvor. In den Berufsschulen und Kanzleien gelten pandemiebedingte Regeln. Dies ist dennoch kein Grund, nicht auszubilden. Die Befürchtung eines (Anwalts-)Notars: „Ich weiß nicht, ob sich Azubis an unser Hygienekonzept halten würden“ ist unbegründet. Wie wir feststellen, ist die Einhaltung von Hygieneregeln nicht von Alter und Ausbildung, sondern von sozialer Kompetenz und persönlicher Einstellung abhängig.

Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten im Homeoffice und sind nur digital mit der Kanzlei verbunden. Der Umstand, dass die Nutzung digitaler Medien den Azubis vertrauter ist als manchem Kanzleimitarbeiter, hilft hier wenig. Erstens sind RA-Micro und DATEV nicht annähernd so inspirierend wie Facebook und Instagram und zweitens erlernt man Kostenrecht und Zwangsvollstreckung nicht im Webinar. In der Erstausbildung brauchen Azubis die praktische Zusammenarbeit und die persönlichen Erklärungen ihrer Ausbilder und Ausbilderinnen.

Gerade weil wir sozial auf Distanz gehen, müssen wir gemeinsam aktiv sein.

Deshalb ist es unter den einschränkenden Bedingungen eine Herausforderung auszubilden. Nicht nur, dass wir uns in einer unbekannten und riskanten Lage befinden, wir erleben wirtschaftlich schwierige Zeiten und nicht zuletzt, beschleunigt durch die Digitalisierung, eine rasante Veränderung der Arbeitswelt. Alle in der Kanzlei sind in besonderem Maße gefordert, nichts ist so wie es war. Veränderungen, begleitet von Ungewissheit, Unstimmigkeiten und diffusen Ängsten, prägen unser Miteinander und unseren Arbeitsalltag. Dabei haben wir doch einen Beruf gewählt, der Sicherheit verspricht und der uns sorgfältig und gewissenhaft nach Recht und Gesetz handeln lässt. Was können wir unseren Auszubildenden vermitteln, wenn wir selbst von dem Geschehen mitgerissen werden?

Wie Kanzleien denken müssen, damit der Nachwuchs nicht wieder abspringt.

Die kontaktbeschränkten Arbeitsbedingungen haben weitreichendere Aus- und Nachwirkungen als dies heute sichtbar ist. Berufsausbildung ist weit mehr als die Vermittlung von Prüfungswissen. Es geht auch um das Heranführen der Schulabgänger an das Arbeitsleben und das ganzheitliche Erlernen eines Berufes. Dazu zählen das Erkunden des beruflichen Umfeldes und seiner Akteure, die Entwicklung des beruflichen Selbstverständnisses und nicht zuletzt die Förderung der Liebe zum Beruf. Dies zu erreichen, ist schon unter normalen Bedingungen eine Herausforderung, die erfahrungsgemäß nur selten zur vollsten Zufriedenheit gelingt. Viel zu oft aber sind wir bereits vor der Abschlussprüfung gescheitert, denn neben denen, die in der Prüfung durchfallen, gibt es immer mehr, die den Vertrag lösen. Bei der RAK Berlin wurden im Jahr 2019 von 269 geschlossenen Ausbildungsverträgen 128 vorzeitig gelöst. Die angegebenen Gründe kann man so zusammenfassen: „Das habe ich mir anders vorgestellt.“

In der Corona Pandemie stehen Ausbildungskanzleien vor der Aufgabe, die schwer gewonnenen Azubis zu halten und dauerhaft zu binden. Dafür können sie dann aber mit den jungen Menschen die Zukunft des Berufes gestalten. //

Veröffentlicht: Deutscher Anwaltsverein AnwBL 2021, 20

weitere Artikel zum Thema: ReNos ausbilden – jetzt erst Recht!

ReNos ausbilden – Jetzt erst Recht!

Ausbildung Jetzt erst Recht

Wenn im August das Ausbildungsjahr beginnt, gelten in den Berufsschulen vermutlich noch die pandemiebedingten Abstandsregeln. Für die Auszubildenden der ReNoPat-Berufe stellt dies kein Problem dar, denn die Bewerberzahlen sind seit Jahren so stark gesunken, dass zwischen den wenigen Auszubildenden ohnehin genügend Abstand herrscht. Deshalb sollte es heißen: ReNos ausbilden – Jetzt erst Recht!

Ausbildung in der Krise

Die Auszubildenden der Kanzleien sind vergleichsweise glimpflich durch die Coronawochen gekommen. Rechtsanwälte, Notare und ihre Mitarbeiter wurden, wenn auch zögerlich, als systemrelevant eingestuft und konnten unter Einhaltung der Hygieneregeln Büro und Homeoffice nutzen. Kurzarbeit gab es vergleichsweise wenig. Mit Homeschooling und Prüfungsaufschub können die Auszubildenen ihre Abschlussprüfungen ablegen und ihre Ausbildung beenden. Mit etwas Glück, können sie sogar übernommen werden. Je nach Rechtsgebiet werden sie in den Kanzleien gut beschäftigt sein, denn die Wirtschaft, die Arbeitswelt und auch die Familien wurden durch die Pandemie aus den Angeln gehoben. Es gibt langfristige Folgen und nachhaltigen Beratungsbedarf. Damit haben es ReNo´s weit besser getroffen als Azubis anderer Berufe, denken wir nur an die Industrie, die Hotelbranche und den Eventbereich.

Starker Rückgang der Ausbildungsplätze

In den vom Shutdown und Hygieneregeln stark betroffenen Branchen ist die Ausbildungsbereitschaft zwangsläufig gesunken. Aber auch in anderen Bereichen streicht man Ausbildungsplätze. Das Handwerk hatte in den letzten Jahren unter Einsatz immenser Anstrengungen gerade etwas Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen erlangt und lässt nun verlauten, dass man sich zunächst um Aufträge bemühen muss, bevor man ausbilden kann. Hoffen wir, dass die Aufträge auch erfüllt werden, wenn es keine ausgebildeten Handwerker gibt. Die Bundesagentur für Arbeit warnt vor drohender Jugendarbeitslosigkeit, denn auch in früheren Krisen waren die Auszubildenden stets die ersten, die geopfert wurden. Es ist ja auch verlockend, denn ein Ausbildungsvertrag läuft einfach aus.

Ausbildungssituation in Kanzleien

Die gute Nachricht: Die bewährten Ausbilder haben ihre Plätze bereits vor Corona besetzt. Die schlechte Nachricht: Aktuell gibt es deutschlandweit drei (3!) Ausbildungsangebote in der sonst stark genutzten Jobbörse des ReNo-Bundesverbandes. Im Land Brandenburg wurden bis Juni nur 5 Ausbildungsverhältnisse registriert. Aber gerade jetzt fragen sich potentielle Bewerber, wie es nach dem Homeschooling weiter geht. Ihre Zukunftspläne sind ins Wanken geraten oder längst gestorben.

Eine Chance für den Rechtsmarkt

Wer in unsicheren Zeiten die Schule abgeschlossen hat, sucht oft nach einem Beruf mit Sicherheit und Stabilität. Wer im Abitur oder Studium die Krise bewusst erlebt hat, sieht die Wirtschaft, die Arbeit und auch das Recht mit anderen Augen. Jetzt eine Entscheidung für seinen zukünftigen Beruf zu treffen, ist in Anbetracht von Kurzarbeit, steigender Arbeitslosigkeit, drohenden Insolvenzen und nahender Rezession für den Jugendlichen schwieriger als je zuvor. Für Sie als Arbeitgeber liegt darin eine große, vielleicht einmalige Chance. Der Beruf der ReNoPat gewinnt in unsicheren Zeiten an Attraktivität. Aber das Berufsfeld wird sich durch Homeoffice, Digitalisierung und Arbeitsflexibilität auch verändern – zum Positiven.

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Veröffentlicht in Anwaltsblatt Proft, AnwBl 2020,403

Corona trifft Fachkräftemangel in Kanzleien

ReNoPat Ausbildung in der Krise

In einem Punkt sind wir uns alle einig: nach Corona ist nichts wie es war. Dennoch gehen Menschen sehr unterschiedlich mit Krisensituationen um. Während der eine seinen Kopf in den Sand steckt, sieht der andere eine Chance zur Weltverbesserung. Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte. Aber unabhängig davon wie krisenresistent Sie sind, es kommt bereits jetzt darauf an nicht abzuwarten, sondern etwas zu tun. Vor allem dürfen wir uns nicht der Hoffnung hingeben, dass nun, da alles anders wird, die alten Probleme von selbst verschwinden. Ein schon viel zu lange grassierendes Problem der Anwaltschaft ist der Mangel an Fachangestellten in Kanzleien und Notariaten. Corona trifft ReNo Fachkräftemangel in Kanzleien und Notariaten. Wie wird es nach Corona sein?

Wie sieht die Bewerbersituation der Zukunft aus?

Szenario 1 Es wird mehr Bewerber geben.
Die Krise ist nach Corona nicht vorbei. Auch Kanzleien werden aus wirtschaftlichen Gründen Personal abbauen oder ganz vom Markt verschwinden. Aufgrund der krisenbedingten Einschränkungen, Kurzarbeit und Entlassungen wird es mehr Bewerber geben. Besonders Großkanzleien sind ja bekanntlich schnell dabei, wenn es darum geht, krisenbedingt zu reagieren. Denken wir nur an die Finanzkrise 2009. Vielleicht klopfen die Anwaltsassistenten und ReNos ja von selbst an die mittelständischen Kanzleitüren, weil sie Arbeit suchen? Dann beschert uns die Krise sogar Fachkräfte mit Englischkenntnissen.

Szenario 2: Der Personalbedarf wird steigen.
Die Wirtschaft erlebt eine Rezession. Die Anwälte und Sachwalter kämpfen ums Überleben der Unternehmen. Staatliche Hilfsmaßnahmen müssen umgesetzt werden. Die Bürger suchen juristische Beratung und anwaltlichen Beistand. Es wird viel Arbeit für Rechtsanwälte und Notare geben. Von der Insolvenz über das Mietrecht bis zum Familien- und Sozialrecht und auch Strafrecht. Die gesamte Anwaltschaft ist gefordert. Krisen werden durch Menschen bewältigt, Technik kann nur unterstützen. Der Bedarf an Fachkräften wird weiter steigen.

Mitarbeiterbindung in der Krise

Da niemand weiß, wie die Zukunft wird, müssen wir jetzt klug entscheiden, überlegt handeln und uns angemessen verhalten. Eine Krise ist ein Ausnahmezustand, in dem jeder stark belastet und gefordert ist. Aber die gemeinsame Krisenbewältigung ist entscheidend für die Mitarbeiterbindung. Gerade jetzt kommt es darauf an, die Mitarbeiter mit ins Boot zu nehmen. Offenheit, Transparenz und eine klare Kommunikation sind das Gebot der Stunde. Jeder fragt sich, wie es weiter geht und niemand kennt die Antwort. Wir müssen mit unseren Mitarbeitern über Probleme reden, ihre Ideen einholen und die Arbeit neu organisieren. Und das alles aus dem Homeoffice! Es ist eine enorme Bewährungsprobe für die Kanzleiorganisation, für das Team – und für beA.

Fazit

Wer denkt, dass es günstiger ist, Mitarbeiter möglichst schnell zu entlassen, wird später draufzahlen. Auch zukünftig wird es schwer sein, Fachkräfte zu finden. Mitarbeiter, die Sie jetzt nicht halten, sind die Bewerber der Zukunft. Und die wird es geben, dann allerdings für die anderen.

Veröffentlicht in: Anwaltsblatt Proft, AnwBl 2020, 274

Erst Homeschooling dann Arbeitsamt

Erst Homeschooling dann Arbeitsamt?

Erst Homeschooling dann Arbeitsamt? Seit Wochen sind auch die Schüler der Abschlussklassen zu Hause und beschulen sich selbst. Die Schüler sitzen in der elterlichen Wohnung. Aber ein eigenes Zimmer steht unter diesen Voraussetzungen nur wenigen zur Verfügung, denn auch viele Mütter und Väter arbeiten von zu Hause und betreuen ganz nebenbei die kleineren Geschwister. Es ist absurd, wir praktizieren social distancing und haben noch nie solange und so dicht in der Familie aufeinandergehockt. Wer sich in dieser Situation auf die Prüfungsvorbereitungen konzentrieren kann, ist nachweislich stressresistent und außergewöhnlich belastbar.

Abiturprüfung – ja, nein, vielleicht

Homeschooling hätte es ohne Corona in Deutschland nicht gegeben, denn es herrscht Schulpflicht. Wie diese Pflicht nun virusbedingt kontaktlos umgesetzt wird, hängt allerdings von Statistiken, Fallzahlen, Empfehlungen, Beschränkungen und politischen Entscheidungen ab. Entschieden wird auf Länderebene. Aber nicht bevor in allen Parteien, sämtlichen Medien und in ganzer Breite jeden Tag von neuem diskutiert, neu gedacht und neu entschieden wird. Abiturprüfung ja oder nein –  zentral oder doch nicht zentral – jetzt oder später. Schulunterricht nein, ja, vielleicht – in Bayern anders als in NRW und in Berlin. Zumindest müsste jetzt auch der letzte Abiturient begriffen haben, was Föderalismus bedeutet und dass Bildung etwas mit Kultur zu tun hat, also mit Kulturhoheit. Aber was passiert, wenn man den Schulabschluss, allen Einschränkungen und Unsicherheiten zum Trotz, sogar geschafft hat? Work and Travel kann man ja wohl vergessen und an die Karriere mag man nicht denken. Wahrscheinlich sitzt man nach dem Schulabschluss noch weiter zu Hause.

Was willst du denn mal werden?

Die Frage nach dem Berufswunsch ist immer unangenehm und ist Ausgangspunkt zahlloser, unfruchtbarer Diskussionen. Infolge der räumlichen Nähe der Familienmitglieder wird diese Frage aktuell tunlichst vermieden, denn man kann sich weder genervt in sein Zimmer verziehen, noch fluchtartig das Haus verlassen. Aber nach dem Schulabschluss kommt doch die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium? Aktuell bekommen die Jugendlichen so viele neue Ideen für ihre berufliche Orientierung. Jahrzehntelang haben wir uns abgemüht, um die Schüler für Naturwissenschaften und MINT Fächer zu begeistern. Und nun hören sie Podcasts von Virologen, lesen Bücher über Chemie und und ahnen, dass Biologie etwas mit Gesundheit und dem eigenen Körper zu tun hat.

Systemrelevante Berufe

Aber auch das Recht ist nicht mehr den Juristen vorbehalten. Man diskutiert öffentlich Grundrechte, erlebt den Datenschutz am eigenen Körper und trifft im Park auf Ordnungshüter. Wir reden über Arbeit und spüren auf einmal die Wichtigkeit einiger Berufsgruppen. Es gibt Berufe, die augenscheinlich systemrelevant sind, wie Mediziner, Pflegekräfte und auch Einzelhandelskaufleute. Und es gibt Berufe, die je nach Bundesland systemrelevant sind oder auch nicht. Dazu zählen Rechtsanwälte und Notare und ihre Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Wenn auch Justitia, neben ihrer Augenbinde, derzeit einen Mundschutz trägt, brauchen wir gerade in unsicheren Zeiten rechtlichen und notariellen Beistand. Da könnte man als jugendlicher Schulabgänger doch meinen, das wäre ein krisensicherer Beruf. Ja, es sei denn, es ist gerade Krise.

Arbeitslosenzahlen steigen – Anzahl der Ausbildungsplätze sinkt

Können Sie sich daran erinnern, dass Betriebe händeringend Auszubildende gesucht haben? Sicher haben Sie die Statistiken zum Nachwuchsmangel noch vor Augen. Vielleicht haben Sie die Klagelieder der Ausbilder über den Bewerbermangel noch im Ohr? Im August beginnt das neue Ausbildungsjahr. Vermutlich noch mit Abstandsregeln. Aber das ist in der Berufsgruppe der ReNoPat-Berufe gar kein Problem. Die Bewerberzahlen sind seit Jahren so stark rückläufig, dass zwischen den wenigen Auszubildenden genügend Distanz eingehalten werden kann. ReNo Ausbildungsplätze Corona

Aktuell gibt es deutschlandweit vier (4)  Ausbildungsplätze in der Jobbörse des ReNo-Bundesverbandes. Die Agentur für Arbeit veröffentlicht die Arbeitslosenquote und die erste Maßnahme ist die Streichung der Ausbildungsplätze. Krise erschwert Personalplanung lautet die Begründung vieler Betriebe im Handwerk. Der drohende Rückgang der Ausbildungsbereitschaft zieht sich durch alle Branchen. Es wäre an der Zeit, sich jetzt zu fragen, ob man einen systemrelevanten Beruf ausübt. Wenn Sie diese Frage mit ja beantworten können, dann sollten Sie ausbilden.

Ausbildung oder Jugendarbeitslosigkeit 

Wo finden die Schüler der Abschlussklassen im Homeschooling ihre Motivation für eine gute Prüfungsvorbereitung, wenn sie nicht einmal eine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben? Es ist keine Alternative nach dem Homeschooling beim Arbeitsamt zu landen. Fehlende Ausbildungsplätze kann sich unsere gesundheitlich und wirtschaftlich angeschlagene Gesellschaft nicht leisten. Jugendarbeitslosigkeit können wir uns nicht leisten, dafür würden wir langfristig teuer bezahlen.

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