Wechselwirkung – Frau X-beliebig bleibt auf der Strecke.

Partnerwechsel sind an der Tagesordnung. In den Branchen News gibt es dafür eine eigene Kategorie: Wer wechselt wohin? 

Kanzlei in München konnte renommierten Partner aus Düsseldorf gewinnen. Kanzlei in Frankfurt holt langjährigen Partner vom Mitbewerber. In Hamburg gründen zwei Partner einer ansässigen Großkanzlei ein Spinn-off. Amerikanische Kanzlei startet mit Berliner Team einer umsatzstarker Wirtschaftskanzlei. In Stuttgart zerfällt eine mittelständische Kanzlei, vier Partner werden sich einer WP-Gesellschaft anschließen. Gewinnen, holen gründen, starten, anschließen – bei den Partnern feiert man den gelungenen Karriereschritt. Man beschreibt noch kurz wie man mit Quereinsteigern die entstandenen Lücken stopfen will und ist allerorts schon in Verhandlungen. Was aber nie, auch nur mit einem einzigen Wort, Erwähnung findet, ist der Umstand, dass der wechselnde Partner auch eine Assistentin beschäftigt hatte, nämlich Frau X-beliebig.

Man könnte vermuten, dass man sie gefragt hat, ob sie ihren Partner nicht in die neue Einheit begleiten möchte, denn sie waren doch seit Jahren ein eingespieltes Team. Es ist auch möglich, dass er ihr schon ein paar Monate vorher gesagt hat, dass sie sich mal auf dem Markt umgucken sollte, er schreibt ihr dann auch ein sehr gutes Zeugnis. Es wäre auch denkbar, dass man intern für sie Verwendung findet, möglichst an einem Platz, an dem sie sich selbst weiterentwickeln kann.

Die Realität sieht leider oftmals anders aus. Er hatte den Kopf so voll, er hat gar nicht daran gedacht, dass Frau X-beliebig bei seinem Weggang ja irgendwie übrig bleibt. Sie hat von seinem Wechsel aus den Branchen News erfahren. Er meint, sie kann ja sicher bleiben, ihr Zeugnis könnte er ihr ja dann zuschicken. Er kann sich auch nicht vorstellen, Frau X-beliebig wirklich zu vermissen. Übrigens wäre die neue Kanzlei daran auch gar nicht interessiert, schließlich soll man bei einem Neuanfang alles Vergangene hinter sich lassen. Er wird einfach verlangen, dass man ihm eine fähige Assistenz besorgt. Er wünscht sich eine, die  einen konstanten Lebenslauf hat, möglichst ReNo mit Großkanzleierfahrung und vor allem mit wenig Arbeitgeberwechsel. Er braucht jetzt Kontinuität und Zuverlässigkeit. Er muss jetzt an seine Karriere denken.

P.S. Frau X-beliebig ist noch ein paar Monate in der Kanzlei geblieben. Aber die Arbeit reichte einfach nicht mehr, sie fühlte sich nutzlos. Sie kennt das ja auch schon. In ihrer Ausbildungskanzlei ist sie geblieben, bis der Anwaltsnotar in den Ruhestand ging. Die zweite Kanzlei konnte sie nach einem Jahr nicht mehr bezahlen und sie konnte auch nicht dauerhaft von einem Teilzeitjob leben. Dann wurde sie von einem Headhunter für einen Standortaufbau angeworben, der wurde aber mangels Mandaten gestoppt. Danach hat sie den Sprung in die Großkanzlei geschafft. Nach zwei Jahren ist der Partner nach München gewechselt, das konnte sie sich finanziell nicht leisten. Nun hat sie sich schon X-fach beworben, aber man will niemanden, der so viel gewechselt ist. Man muss dem neuen Partner jetzt ein bisschen Sicherheit bieten, schließlich ist so ein Wechsel ein wichtiger Schritt in der Karriere.

„Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“

Mutti, der will mir nichts abgeben

Fotolia_38561579_SDabei ist Teilen doch etwas Gutes. Das bringen wir jedenfalls unseren Kindern bei, solange sie noch auf dem Spielplatz sind. Bei der Jobsuche sieht das dann schon ganz anders aus. Dabei zählt das Teilen doch zum Lifestyle der jungen Mütter und Väter, ob nun mit oder ohne Kind. Man teilt sich das Auto, die Wohnung, die Klamotten und alles was aus ökologischer und ökonomischer Sicht mehrfach genutzt werden sollte. Nur den Arbeitsplatz beanspruchen wir für uns allein – ungeteilt, sicher und nach Tarif bezahlt. Oder ist das nur noch die Forderung derer, die für die Koordination der Arbeitsteilung politisch verantwortlich sind? Arbeitsteilung ist ja nicht wirklich neu. Ohne Arbeitsteilung hätte sich die Zivilisation nicht entwickelt und die Industrialisierung wäre nicht voran gekommen. Den Gedanken, dass das besser gewesen wäre, sollten Sie schnell wieder vergessen, oder sich Ihr Grillfleisch selbst im Wald erlegen. Die Teilung der Arbeit ist die Grundlage unseres Berufes. Die Möglichkeit, sich mit auf bestimmte Tätigkeiten zu spezialisieren, hat die Profession hervor gebracht. Und mit dieser Profession wollen wir jetzt fest angestellt, gut bezahlt und irgendwann berentet werden. Aber vielleicht hat sich auch das schon verändert? Vielleicht wollen wir ja unser Leben teilen? Nicht nur mit irgendwem, nicht nur in Arbeit und Freizeit, sondern in Phasen unserer beruflichen Entwicklung, unserer Fähigkeiten und unseres Könnens. Vielleicht wollen wir gar nicht angestellt die Tage bis zur Rente zählen? Die freie Einteilung unserer Lebens- und Arbeitszeit hat ja nicht nur schlechte Seiten. Obwohl sich das in den Medien so liest:

 

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten nicht in regulären Jobs: Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer stieg binnen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent. Sie sind befristet, in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden, Zeitarbeit oder geringfügig beschäftigt. Quelle: n-tv 21.04.2015

Wer sind die Betroffenen, welche Arbeit ist atypisch und was ist ein Normalarbeitnehmer? Schon in der Steinzeit gab es Arbeitsteilung. Man fragt sich, wie die Steinzeitmenschen das koordiniert haben? Schließlich hatten sie kein Management, keine Führungsriege und auch keine Meetings, oder doch? Sie wusste jedenfalls, wenn alle auf der Jagd sind, dann gibt es niemand, der das Feuer macht und den Grillspieß dreht. Insofern ist Arbeitsteilung etwas Gutes, auch heute. Nur ist die Koordination viel schwieriger und komplexer geworden. Komplexe Systeme kann man allerdings nicht mit starren Methoden beherrschen, denn unsere Arbeit ist viel flexibler als das System, das sie teilt. Was uns zu Betroffenen macht, ist das, wie mit der Arbeitsteilung und der Flexibilität umgegangen wird. Befristung, Teilzeit und Nebentätigkeit sind nicht zwangsläufig schlecht, werden aber oft so eingesetzt. Transparenz, Ehrlichkeit, Respekt und bezahlte Wertschätzung sind unabdingbar um atypische Beschäftigungsformen im beiderseitigen Nutzen auszuhandeln und zu befördern, denn sie sind heute schon normal.

Zum respektvollen Umgang mit seinen Mitarbeitern zählt übrigens auch der begleitete Abschied: Outplacement-Beratung

Zero Waste für begrenzte Ressourcen

Gewerbeabfall

 

 

 

 

 

 

 

 „Zero Waste ist ein ethisch, ökonomisch, effizientes und visionäres Ziel, Menschen anzuleiten, ihren Lebensstil so zu verändern, dass sie ihre Handlungen an nachhaltigen und natürlichen Kreisläufen ausrichten, in denen alle überflüssigen Materialien so gestaltet sind, dass sie Ressourcen für andere werden.“ Zero Waste Internationale Alliance, 2014

 

Tür zu und dann?

Alle reden über Fachkräftemangel und schwindenden Nachwuchs. Am Rande des medialen Hype werden aber trotzdem noch Stellen abgebaut, Standorte geschlossen, es wird umstrukturiert und wegrationalisiert. Arbeitsplätze gehen verloren oder verändern sich so stark, dass der Stelleninhaber plötzlich seinen Job verliert. Morgens geht man noch wie gewohnt durch den Firmeneingang und abends ist es schon es das letzte Mal. Tür zu!

Elegance

Was dann passiert, das hängt ganz davon ab, wie der Arbeitgeber den Austritt gestaltet. Jemanden einfach vor die Tür zu setzen, kann gefährlich werden, denn vor der Tür stehen die, die gerade hinein wollen. Was passiert, wenn sie sich treffen und sich unterhalten?

Mitarbeiterbindung beginnt beim Recruiting und sollte nicht mit der Entlassung enden. Employer Branding ist viel mehr als nur ein schönes Bild von der Arbeitgebermarke. Letztlich ist es wie in einer verflossenen Beziehung. Wollen wir Freunde bleiben? Selbst wenn es mit der Freundschaft selten funktioniert, bleibt doch auch etwas positive Erinnerung.

Für alle Arbeitgeber, die ihrem ausscheidenden Mitarbeiter eine neue Tür öffnen wollen, gibt es unsere ⇒Outplacement-Beratung.