Articles tagged with: Berufseinstieg

Gehaltscoaching

Mitarbeiter Buchhaltung

Blicken Sie nach oben!

Das Vorstellungsgespräch nähert sich dem Ende. Eigentlich ist es sogar besser gelaufen als gedacht. Sie haben ein gutes Gefühl, denn Sie konnten alle Fragen beantworten und von Ihren Erfahrungen berichten. In manchen Dingen konnten Sie sogar ganz gut punkten. Sie blicken Ihrem Gegenüber lächelnd in die Augen und hören auch schon die befürchtete Frage:

Wo liegen Ihre Gehaltsvorstellungen? Was möchten Sie verdienen?

Ihr Blick senkt sich und Sie zögern: „Ich habe mich natürlich im Internet informiert. Also, so viel findet man dazu ja nicht. Die Angaben gehen da auch ganz schön weit auseinander. Aber ich denke, dass der Durchschnitt so bei 40.000 € liegt? Und ich habe gedacht, dass ich so zwischen 36.000 und 40.000 € verdienen möchte?“ Sie blicken ihn fragend an. War das zu viel? Warum zieht er die Augenbrauen so komisch nach oben? Gleich darauf hören Sie die zweite Frage:

Warum meinen Sie, dass Sie das verdienen? Warum sollten für Sie bezahlten?

Sie fühlen, dass Sie etwas rot werden oder eher blass? Sie können ihm jetzt unmöglich in die Augen schauen. Sie blicken einfach an ihm vorbei und sagen leise: „Also, ich habe das mal durchgerechnet, ich brauche das Geld einfach. Schließlich habe ich ja auch Verbindlichkeiten.“

Das sagen Sie natürlich nicht wirklich, denn das wäre die schlechteste aller möglichen Antworten. Sie werden schließlich von Ihrem Arbeitgeber nicht bezahlt, weil Sie das Geld brauchen. Sie werden für Ihre zu erbringende Leistung bezahlt.

Was leisten Sie im Job? Was ist Ihre Arbeit wert?

Keine Ahnung, denken Sie, aber Sie haben ja den Ausbildungsabschluss und dann auch noch das Studium. Das ist richtig, aber nicht die Antwort auf die Frage.

Dieses Szenario, was natürlich frei erdacht ist, könnte man noch lange weiterführen. Und das sollten Sie auch tun, um gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen. Es heißt ja nicht umsonst GehaltsVERHANDLUNG.

Bekommen Sie am Ende eines Vorstellungsgespräches wirklich das Gehalt, das Sie verdienen?

Die geschickte Gehaltsverhandlung beim Berufseinstieg oder im Rahmen eines Jobwechsels entscheidet nicht nur über Ihr Einstiegsgehalt, sondern auch über die weitere Gehaltsentwicklung. Es ist wesentlich schwieriger eine Gehaltssteigerung auszuhandeln, wenn man bereits im Unternehmen ist. Hinzu kommt, dass Geld nicht alles ist, schließlich wollen Sie auch noch Ihren Urlaub, einen Homeofficetag und Incentives verhandeln.

Nutzen Sie das Vorstellungsgespräch für eine Gehaltsverhandlung in Ihrem Sinne. Blicken Sie nach oben!

Unsere Angebote zum Gehaltscoaching:

Gehaltscoaching für Bewerber 
  • Wir bieten unseren Bewerbern im Rahmen der Personalvermittlung ein kostenfreies Gehaltscoaching.
  • Wir bereiten Sie auf die Vorstellungsgespräche bei unseren Kunden vor.
  • Wir finden Argumente und eine für Sie passende Strategie.
  • Wir trainieren die Situation.
Gehaltscoaching für Selbstzahler
  • Sie sind selbst in der Bewerbungsphase und möchten sich auf die Gehaltsverhandlung vorbereiten.
  • Sie wollen im Mitarbeitergespräch eine Gehaltserhöhung erreichen.
  • Sie möchten sich Homeoffice, Urlaubstage oder Incentives aushandeln.
  • Wir beraten, coachen und trainieren situationsbezogen. Fragen Sie nach einem individuellen Angebot.
Gahltscoaching im Rahmen einer geförderten AZAV-Maßnahme
  • Sie nehmen an der Maßnahme „Marktpositionierung“ zur Aktivierung und Vermittlung teil.
  • Das Gehaltscoaching ist Teil des Moduls Bewerbungstraining.
  • Die Finanzierung erfolgt über den AVGS der Bundesagentur für Arbeit.
  • Als zugelassener Träger der Arbeitsförderung beraten wir Sie gern zur Antragstellung.

1. Wirtschaftsjuristentag: Rück- und Ausblicke einer jungen Berufsgruppe

DSC_0013Wenn Absolventen des ersten Jahrgangs eines Fachbereichs  genau 15 Jahre später neben ihren ehemaligen Profs im Seminarraum sitzen, dann ist dies ein gutes Zeichen und vielleicht der Anfang für ein jährliches Alumnitreffen der Wirtschaftsjuristen an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen.

Akzeptanz und Selbstverständnis

Der, aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Fachbereichs Wirtschaftsrecht stattfindende, 1. Wirtschaftsjuristentag  war aber kein gewöhnliches Ehemaligentreffen, es war eine profunde Bestandsaufnahme. Denn als man vor 22 Jahren in Mainz das wirtschaftsjuristische  Studium in Deutschland ins Leben rief, war in keiner Weise abzusehen wo, wann und wie die damals noch auf Diplom studierenden Wirtschaftsjuristen einmal „unterkommen“ würden. Aber genau um die Beantwortung dieser Frage ging es dem Dekan des Fachbereichs Wirtschaftsrecht, Professor Bernhard Bergmans, der am 25.09.2015 neben Professoren anderer wirtschaftsjuristischer Ausbildungseinrichtungen vor allem die Absolventen nach Recklinghausen rief. Es kamen nicht alle, der inzwischen 25.000 berufstätigen Absolventen und auch nicht von allen der über 40 Hoch- und Fachschulen, die den Bereich Wirtschaftsrecht in der Zwischenzeit für sich entdeckt haben, aber es war ein gelungener Anfang.

Nach einigen in den letzten Jahren erfolgten Analysen, Befragungen und Statistiken zur Arbeitsmarkt- und Berufsakzeptanz des Wirtschaftsjuristen war es nun an der Zeit, persönliche Erlebnisberichte, Erfahrungen und Best Practice zu sammeln. Denn es ist zwischenzeitlich etwas ruhig geworden, um den interdisziplinären Studiengang zwischen Wirtschaft und Recht. Die offenen Angriffe der Volljuristen haben sich gelegt, die Universitäten bilden in der Zwischenzeit selbst Wirtschaftsjuristen aus, die Kultusministerkonferenz fordert die weitere Diversifizierung der juristischen Ausbildung und die Arbeitgeber haben den Wirtschaftsjuristen zumindest schon einmal als kostengünstige Alternative zum Volljuristen erkannt. Was geblieben ist, ist die immer noch verbreitete Unkenntnis über Ausbildungsinhalte und Einsatzmöglichkeiten der Juristen ohne Examensprüfung und Anwaltszulassung. Zugute halten muss man den Unternehmen und Personalern, dass die Zahl und Verschiedenartigkeit, insbesondere der Masterstudiengänge, kaum zu überblicken ist. Hier sind die Hochschulen im Werben um die zukünftigen Studenten wohl in ihrem Wunsch nach Einmaligkeit etwas über das Ziel hinaus geschossen. So ist auch die Anmerkung zu verstehen, dass es eher schwer ist, sich beim Hochschulwechsel Studienergebnisse anerkennen zu lassen. Aber hier kann der Austausch zwischen den als Tagungsreferenten geladenen Professoren aus Wismar, Kassel, Heilbronn und Pforzheim sowie die Wirtschaftsjuristische Hochschulvereinigung sicher Abhilfe schaffen. Der Wunsch nach Austausch und Vernetzung war von allen Beteiligten klar zu spüren, wenn es auch noch an tragfähigen Strukturen fehlt. In diesem Punkt ist der Studiengang noch ganz am Anfang. Aber Austausch und Selbstverständnis sind unverzichtbar. Der Wirtschaftsjurist ist eben kein klar definierter Beruf, nicht einmal eine geschützte Bezeichnung. Der Wirtschaftsjurist wird erst dann dauerhaft und vor allem seinem Wissen nach adäquat eingesetzt, wenn sein Berufsprofil klar erkennbar ist. Zugegeben, es ist eine Herausforderung und es birgt auch Gefahren, das Profil eines interdisziplinären Studiengangs genau zu schärfen, aber es ist andererseits die einmalige Chance, sich gegenüber dem breit aufgestellten Volljuristen zu positionieren. In den Diskussionen kam deshalb mehrmals die Frage auf:

Was erwartet die Wirtschaft von unseren Absolventen, welche Ausbildungsinhalte müssen wir aufnehmen, um zukunftsfähig zu bleiben?  

Bei der Komplexität, Divergenz und Internationalität unserer Wirtschaft läuft man Gefahr, sich zu sehr zu verzweigen und auch auf Entwicklungen aufzuspringen, die viel zu kurzlebig sind, als das das Bildungssystem darauf überhaupt reagieren könnte. Andererseits muss man die Studenten aber auch lenken und ihnen zeigen, in welchen Bereichen, sie dringend gebraucht werden. Um zukunftsfähig zu bleiben, ist es heute auch für Hochschulen unabdingbar, sich mit gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und vorauszudenken. Dabei geht es aber nicht nur um das Definieren von Arbeitsfeldern, sondern vielmehr darum,  die Kompetenzen der Zukunft zu erkennen und zu vermitteln. Das, was mit dem Wort „Soft Skills“ mehr erschlagen als beschrieben wird, ist der eigentliche Mehrwert des Wirtschaftsjuristen gegenüber dem Volljuristen. Wer für den Staatsdienst ausgebildet wird, ausschließlich am Fall arbeitet, seine Jugend in der Bibliothek und mit Beck online verbringt und selbst seinen Urlaubsbericht (samt Klage wegen Verspätung  des Fliegers und Baulärm in Hotelnähe) im Gutachtenstil verfasst, der hat zugegeben im Unternehmen einige Anpassungsschwierigkeiten. Hier liegt die Chance des Wirtschaftsjuristen. Vorausgesetzt, er hat die im Unternehmen unverzichtbaren Kompetenzen erworben oder weiß zumindest, worauf es ankommt. Dass Unternehmen im Bereich Compliance Wirtschaftsjuristen bevorzugen, ist keine Kostenfrage. Im Compliance geht es um Prozesse, um Steuerung, um Projekte und um Kommunikation auf allen Unternehmensebenen. Hier ist der Wirtschaftsjurist klar im Vorteil, wenn er auf diese Arbeitsweise bereits vorbereitet wurde. Wenn Bachelor- und Masterstudenten an den Fachhochschulen andererseits Probleme mit dem Verfassen der wissenschaftlichen Abschlussarbeiten haben, dann liegt es vielleicht auch daran, dass sie von Praktikern gelernt haben.

„Wissen. Was praktisch zählt.“

Dies steht auf der Tagungsmappe des 1. WiJu-Tages. Es ist zu wünschen, dass man sich diesem Slogan treu bleibt und sich noch mehr abgrenzt vom klassischen Nur-Juristen. Die Absolventen brauchen diese Abgrenzung, sie brauchen neben dem eigenen Selbstbewusstsein, das Selbstverständnis ihres Berufsstandes. Erst, wenn sie sich nicht mehr rechtfertigen, warum sie nicht Voll-Juristen sind, sondern ganz selbstverständlich davon sprechen, dass sie inhaltlich und praktisch für die Wirtschaft ausgebildet wurden, werden sie die Positionen im Unternehmen bekommen, die sie verdienen – und entsprechend verdienen. Inwieweit das bereits gelungen ist, ist in dem Tagungsband „Zwanzig Jahre Wirtschaftsjuristenausbildung“ detailliert beschrieben. Ein Dank an dieser Stelle dem Herausgeber Prof. Bernhard Bergmans und dem Logos Verlag Berlin. Der Band wird bis zum 2. Wirtschaftsjuristentag willkommener Anreiz sein, die Entwicklung zu beobachten und anzuschieben.

P.S. Wenn das Selbstverständnis der Wirtschaftsjuristen gereift ist, dann wird man auch in der Agentur für Arbeit erkennen, dass Wirtschaftsjuristen keine Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten sind. Außer dem Umstand, dass ihnen für diese Berufstätigkeiten die notwendigen Kammerprüfungen fehlen, sollen die Bachelor-  und Masterabsolventen doch nicht als schnelles Pflaster für die desolate Nachwuchssituation in den juristischen Assistenzberufen dienen. Wenn man langfristig darüber nachdenkt, Anschlussqualifizierungen für den Rechts- Notar- und Insolvenzbereich zu entwickeln, dann sollte man zunächst über die Möglichkeiten einer arbeitsteiligen und respektvollen Zusammenarbeit zwischen Volljuristen und Wirtschaftsjuristen nachdenken. Denn wo ein Mangel ist, gibt es nicht nur einen Weg, sondern auch einen Grund.