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Wie aus der Recruiterin eine Gründelente wurde.

Gründelente

Ich weiß, es gibt keine Gründelenten, aber ich bin wohl eine. Viele Wasservögel beherrschen die Technik der Nahrungssuche unter Wasser, indem sie einfach nach vorne über kippen. Die großen Schwäne mit ihrem langen Hälsen sind in tieferen Gewässern natürlich wieder klar im Vorteil. Aber was bleibt der Ente, wenn die fette Entengrütze auf dem See weggeschanttert ist. Sie kippt vorne über und wühlt mit dem Schnabel den Schlamm auf. In der Hoffnung, dass sich in der trüben Brühe irgendetwas Verwertbares zur Nahrungsaufnahme finden lässt, steckt sie fast den ganzen Tag samt Kopf und Hals im Wasser. Das nennt man gründeln. Da unten trifft sie dann auf diese  am Boden lebenden Fische, die mit ihrem komisch geformten breiten Maul ständig den Boden absaugen. Also bleibe ich bei der Gründelente.

Mit dem Kescher zu neuen Ufern

Als ich vor 11 Jahren als Recruiterin im juristischen Assistenzbereich meine Netze auswarf, hatte ich den Kescher als Sinnbild meiner Tätigkeit. Vorsichtig, aber durchaus mit Schwung und Elan, habe ich meine Kandidaten aus dem Teich gehoben.  Nach gewissenhafter Begutachtung und sorgsamer Behandlung habe ich sie an neue Ufern gebracht oder ihnen in größere Gewässer geholfen. Manche habe ich aus einem Strudel oder Sog befreit und wieder in ein klares Wasser und eine schönere Umgebung versetzt.

Am Boden angekommen

Ein Jahrzehnt später stehe ich selbst knietief im Wasser. Ich gründele! In der Hoffnung, dass sich in dem Teich noch irgendetwas bewegt. Aber der Nachwuchs ist spärlich, viele schaffen es auch gar nicht bis an die Oberfläche. Ein Berufsbild, das, wie das der ReNoPat, seit Jahren rückläufige Ausbildungszahlen, steigende Abbruchraten und sinkende Notendurchschnitte aufweist, ist längst bei der Agentur für Arbeit als Problemfall gelistet. Jeder Ausbildungplatzsuchende, egal ob geeignet oder nicht, bekommt die Empfehlung zur ReNo-Ausbildung.  Jeder Anspruchsberechtigte für eine Umschulung bekommt eine ReNo-Empfehlung.

„In dem Beruf der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten wird immer gesucht, da bekommst auch du einen Job.“

Und so wächst die Zahl derer, die da unten am Grund rumdümpeln und nie ohne Hilfe an die Oberfläche kommen werden. Am Ufer des Teiches, in der sichtbar untergehenden Abendsonne, sitzen übrigens dicht gedrängt die Rechtsanwälte. Die Notare haben vor allem am Nordufer Position bezogen, die Patentanwälte eher an der Südseite, im Westen liegen die Sachwalter der Insolvenzrechtskanzleien auf der Lauer und im Osten verstecken sich die Immobilienfirmen und der öffentliche Dienst. Alle warten. Sie warten übrigens schon über ein Vierteljahrhundert darauf, dass sich der Teich wieder füllt und sie hoffen vor allem auf junge, flinke Nachwuchskräfte.  Die, die sie schon mehrmals im Kescher hatten, und dann nach einer Befristung, Probezeit oder Zeitarbeit wieder zurückgekippt haben, wollen sie natürlich nicht mehr.

Trübe Aussichten

Aber sie wollen auch nicht selber gründeln. Dafür gibt es ja Recruiter und Headhunter. In der Hoffnung, dass wenigstens ein Personalvermittler einen Fang anschleppt, werden gleich mehrere ins Rennen geschickt. Die locken dann ihrerseits mit Wasser und Obstkorb. Man merkt, dass sie den Lebensraum der ReNoPat oft wenig kennen. Aber der Schnellste gewinnt. Einfach den Lebenslauf oder gleich das xing-Profil hinschicken und dann gucken, ob man der Erste war. Nun, seit einiger Zeit ist der Boden sehr aufgewühlt, das Wasser ist trübe und die schlauen Kandidaten verstecken sich gekonnt im Schilf oder wandern in einen anderen Teich ab.

Aber die Gründelente kennt natürlich die Verstecke und sie geht ab und zu mal schnattern.


P.S. Schön wäre es natürlich, wenn die Berufsträger auf ihren Uferbänken mal mitsingen würden.

 

Vollzeit bei Wasser und Obst

Wasser und Obst

„Was verdienen Sie denn aktuell?“  Das aufgerufene Gehalt sorgt für ein kurzes Innehalten. Während die anwesenden Partner noch nach Luft ringen, fängt sich der Personaler bereits und sieht sich wohl auch in der Verantwortung. „Bei uns bekommen Sie noch einige Bonbons obendrauf. Wir haben in jeder Etage kostenloses Wasser und stets frisches Obst. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns sehr wichtig, Ihnen doch auch?“ Die Frage erübrigt sich eigentlich bei einer berufserfahrenen und sichtbar agilen Dame in Kleidergröße 38.  Aber er setzt noch eins drauf. „Wenn Sie sich mal zwischendurch erholen möchten, dafür haben wir seit Kurzem auch einen Launchbereich eingerichtet.“  Ziemlich unbeeindruckt fragt die Kandidatin nach der Überstundenregelung für die vakante Vollzeitstelle. Sie persönlich erholt sich sehr gern zu Hause, sie hat eine gemütliche Wohnung und kocht auch selbst.

Sie war nicht einmal beeindruckt.

Dass die Bewerberin in einem Start-up arbeitet, in dem es sogar eine eigene Bierzapfanlage zur freien Benutzung und eine Kuschelzone mit überdimensionalen Sitzsäcken gibt, kann er ja nicht wissen. Na, die Softwarebranche ist eben immer noch ein bisschen besser, als die beste Anwaltskanzlei.

Marketing mit Nebenwirkungen

Wann diesen Marketingstrategen die Sache mit dem kostenlosen Wasser und dem Obstkorb für die Mitarbeiter eingefallen ist, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Es muss zu Beginn des öffentlich publizierten Nachwuchsmangels und dem Hype um die Generation Y gewesen sein.  Nahezu zeitgleich hat man den Personalverantwortlichen das Gesundheitsmanagement als Heilmittel verkauft. Leider hat man versäumt, auf die Dosierung und Anwendungsgebiete hinzuweisen. Nun stehen die Personaler mit ihren tollen Incentives da und wissen nicht, wie sie sie verabreichen sollen, für wen sie gut sind, und wie sie wirken. Sie können auch niemanden fragen, denn der Feel-Good-Manager hat längst gekündigt, die Arbeit hat ihm wohl keinen Spaß gemacht.

Arbeit wird vergütet, der Rest kommt oben drauf.

Die steuerfreien Aufmerksamkeiten für Mitarbeiter, dazu zählen Wasser, Obst, Kaffee und Tee, sind zwar eine nette Geste, schaffen aber von allein keine Arbeitsatmosphäre. Eine Teeküche mit Mikrowelle  ist in einer Branche, in der Überstunden zum guten Ton zählen, eigentlich nicht erwähnenswert – schon gar nicht im Rahmen der Gehaltsverhandlung. Nichts gegen Gesundheitsangebote und ein paar Annehmlichkeiten am Arbeitsplatz, aber Leistung muss zunächst einmal finanziell vergütet werden – alles andere ist Topping.

P.S. Topping lieben alle, besonders die bunten Streusel.

Lesen Sie hier: Warum Unternehmen keine Feel-Good-Manager, sondern selbstbestimmte Mitarbeiter brauchen: ⇒ Huffingtonpost Kicker und Obstkorb sind nicht genug!

 

Wir wollen nicht spielen, wir wollen nicht kuscheln und haben immer einen Apfel in der Tasche.

ApfelMein Name ist Daniel (31), ich bin Berufseinsteiger. Das heißt, ist stehe an der Schwelle zu einem bezahlten Job. So hatte ich mir das jedenfalls vorgestellt. Mein Bachelor- und Masterstudium habe ich in den letzten 6 Jahren mit einer selbstständigen Tätigkeit finanziert, als gelernter Kaufmann ist mir das auch gut gelungen. Letzte Woche habe ich meine Masterthesis im Fach Wirtschaftsrecht verteidigt. Jetzt bin ich LL.M. – und auf Jobsuche als Wirtschaftsjurist, dass der Studiengang (21 Jahre nach seiner Einführung in Deutschland) noch nicht überall bekannt ist, ahnte ich ja schon. Dass man aber mit Berufsbezeichnungen und Studienabschlüssen auf völlige Ahnungslosigkeit bei Recruitern stößt, die ihrerseits wild mit Jobdescription und Karrierefloskeln jonglieren, hat mich jetzt doch überrascht. Auch die Sache mit dem Obstkorb im Büro verstehe ich nicht.

Mein xing-Profil steht auf: „aktiv auf Jobsuche“.

Und nicht nur das, schließlich war ich als Student selbst drei Jahre im kaufmännischen Bereich einer Personalvermittlung tätig und weiß, wie man Lebensläufe schreibt und Auswahlkriterien einsetzt. Der aufmerksame xing-Profilbesucher kann neben meinen Abschlüssen als Kaufmann, Bachelor und Master of Laws  meine Affinität zu juristischen und wirtschaftlichen Themen erkennen. In meiner  Tag-Cloud stehen unter  „ich biete“ und „ich suche“ Schlagworte wie „Vertragsmanagement“, „Arbeitsrecht“, „Steuerrecht“ „Vergaberecht“„kaufmännische Leitung“, „Fin-Tech“ ,„Legal-Tech“ usw. Eine kurze Zusammenfassung meiner Interessen, meines Wissens und Wollens. Leider gibt es bei xing keine Rubrik: „Das will ich nicht – auf gar keinen Fall.“ Denn dann würde bei mir dort stehen: „Vertrieb“ und „aktive Personalbeschaffung.“

Die ungebetenen Besucher

Aber die ungebetenen xing-Besucher sind wie Verwandtschaft, man kann sie von einem Besuch nicht abhalten. Und sie bringen einem genau das, was man nicht will: Zeitverschwendung und das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Im Nachhinein ärgert man sich, dass man sich wieder einmal darauf eingelassen hat. Letzte Woche hatte ich wieder einen Profilbesucher, der sich im Nachhinein als ungebetener Gast entpuppte. Zunächst stellte er sich mit einer Anfrage als Geschäftsführer einer Personalvermittlung vor. Ich erwartete daraufhin einen Menschen, der sich beruflich damit beschäftigt, Jobbeschreibungen zu erstellen, Anforderungsprofile zu entwickeln, Bewerberdaten zu analysieren und Potentiale zu erkennen. Tagesgeschäft eines professionellen Personalvermittlers, dachte ich. Dieser Profi, nennen wir ihn Stefan, begann seine Ansprache mit dem typischen Start-up-Sprech:

„Es ist doch ok, wenn ich dich duze?“

anmache

  • Nein, es ist nicht ok, dass Sie mich duzen.
  • Wer sagt, dass die Atmosphäre in einem Start-up besser ist, als die Bezahlung?
  • Was sind das für Führungskräfte, die keine Ansage machen?
  • Ich trage täglich die Verantwortung für mich und meine Arbeit.
  • Ich will nicht mehr, als eine nützliche Aufgabe mit adäquater Bezahlung.
  • P. S. den Rest meines Lebens organisiere ich gern selbst.

Ich schaue trotzdem auf die Unternehmenswebsite. Stefans Team vermittelt Vertriebsmitarbeiter für alle Branchen. Die Atmosphäre beschreibt man mit Bürohund, Tischtennisplatte, Obst, Sacks und Getränke. Egal, aber wo genau hat Stefan eine Übereinstimmung zwischen seiner Stelle und meiner Qualifikation gefunden? Was macht ein  „Account Manager“? Google meint „[…]wirbt neue Kunden an und pflegt Beziehungen zu Bestandskunden.[…]Ist ein Vertriebsmitarbeiter.“ Aha, vielleicht gibt es da einen Zusammenhang, den ich als Berufseinsteiger noch nicht sehe. Ich antwortete Stefan, dass er mir, sofern er eine Schnittmenge aus seinem Anforderungsprofil und meiner kfm.- und juristischen Qualifikation sieht, gern die Stelle des „Senior Account Managers“ näher vorstellen könne. Montag um 12.00 Uhr will er anrufen.

Wir kaufen dich und du verkaufst die anderen

Mein Telefon klingelt. Eine Frauenstimme: „Entschuldige, Stefan ist im Meeting, aber ich, Svenja, werde dich jetzt befragen. Ja, also wir haben dich ja angeschrieben auf Xing. Erzähl doch mal was du machst.“
„Ich bin Wirtschaftsjurist, habe vor einer Woche meinen Master absolviert. War zuletzt studienbegleitend selbständig und suche jetzt einen Berufseinstieg als Wirtschaftsjurist.“
 „Ok, welchen Jobtitel strebst du an?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe, ich bin Wirtschaftsjurist, falls du das mit Titel meinst?“
„Ja ok, als was möchtest du arbeiten?“
„Als Wirtschaftsjurist, da gibt es ja einige Möglichkeiten. Ich habe eine Affinität zum Arbeitsrecht und auch zum Vertragsrecht. Die Frage ist doch, was ihr braucht, oder? Als Jurist bin ich ja nicht auf ein Rechtsgebiet beschränkt. Deshalb wäre es vielleicht sinnvoller, wenn du mir eure Stelle vorstellst. Mein Xing-Profil kennt ihr ja schon.“
„Ja, aber ich hab erst noch weitere Fragen auf dem Fragebogen. Was ist denn deine Wechselmotivation?“
„Meine was?“
„Na, wieso möchtest du von deinem aktuellen Job zu uns wechseln?“
„Ich bin Berufseinsteiger und war neben dem Studium selbständig. Die Selbständigkeit gebe ich aber für einen interessanten Job auf. Das ergibt sich aus meinem Profil und ich habe dir das zu Beginn des Telefonats auch gesagt. Eventuell legst du jetzt deinen Fragebogen weg und wir unterhalten uns über die Stelle?“
„Tut mir leid, das fragen wir immer alle. Ein paar Fragen hab ich noch. Im zweiten Teil sag ich dann was zu uns. – Was möchtest du denn verdienen?“
„Das kommt drauf an, was ich tun soll.“
„Ja aber du musst doch wissen, was du verdienen willst.“
„Das weiß ich – viel!“
„Wie bitte?“
Ich nenne ihr eine absurde Zahl.
„Ok, dann haben wir das. Dann erzähl ich dir mal was über uns. Wir sind 23 Mitarbeiter, wir trinken, essen und feiern zusammen. Wir sind quasi wie eine Familie. Wir haben zwei Bürohunde,  Tischtennisplatten und Kickertische und jeden Tag einen frischen Obstkorb.“
„Ok –  und arbeitet ihr auch?“
Ja, bei uns bekommt jeder seine eigene Branche und Kunden. Du brauchst keine Vertriebserfahrung. Eine Stunde täglich musst du aber neue Kunden anrufen. Danach suchst du in unserer Datenbank oder bei Xing nach Bewerbern. Wir vermitteln unsere Kandidaten innerhalb von 7-10 Tagen. Bei uns läuft alles übers Telefon oder Internet. Persönlichen Kontakt gibt es bei uns nicht, dafür haben wir keine Zeit.“
Ah, ja –  und wie kommt ihr dabei auf mich? Wie kann ich mich dabei als Wirtschaftsjurist einbringen?“
„Ja, wir machen ja alle Branchen. Wenn dir eine Branche nicht gefällt, nimmst du eben eine andere.“
„Svenja, ganz ehrlich, das wird nichts mit uns. Dir alles Gute – und tschüss.“
„Ach, schade, aber wenn du mir noch deinen Lebenslauf zusenden könntest…“


Lieber Stefan, liebe Svenja, liebe Generation-Y-Versteher,

hört bitte mit diesem Bullshit auf und macht euren Job vernünftig. Ihr wollt wissen, wie man die Generation Y anspricht? Gerne über Xing oder LinkedIn, auch per Mail oder Telefon. Wir beherrschen alle Kanäle. Gerne auf Deutsch, gern auch auf Englisch, aber bitte in ganzen Sätzen. Und ganz wichtig: immer mit Respekt und gut vorbereitet. Macht eure Hausaufgaben! Wir erstellen unsere Profile, damit ihr sehen könnt, wo und wie unsere Qualifikationen zu euren Anforderungen passen. Wenn ihr uns anruft, dann verzichtet auf standardisierte Fragebögen und tretet mit uns in einen Dialog – und hört zu! Wenn ihr euch bei uns vorstellt, dann beginnt bitte mit eurer Arbeit und nicht mit den Partys. Wenn ihr uns motivieren wollt, dann gebt uns Jobs und Aufgaben, die unserem Können entsprechen, einen Nutzen haben und im besten Fall auch noch einen Sinn ergeben. Bezahlt uns anständig, dann können wir uns unser Obst, die Snacks und Getränke selbst kaufen. Wir investieren nicht unsere besten Jahre in Ausbildung und Studium, für eine aufgeblasene „Jobdescription“. Wir wollen uns einbringen, wir wollen Verantwortung übernehmen und gute Arbeit leisten. Wir wollen, dass man uns Respekt entgegenbringt, mit uns redet und uns wirklich kennen lernen möchte. Wir sind keine Talents, Experts, keine Human Ressource, sondern Menschen, die einer vernünftigen Arbeit nachgehen wollen. Junge Menschen, die ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen möchten und Sachen voranbringen können. Wir brauchen keine hippen Anglizismen und klangvolle Namen für profane Jobs. Was wir wollen, sind klar definierte Aufgaben und Stellenbeschreibungen, damit wir wissen, was zu tun ist. Wir möchten von Menschen geführt werden, zu denen wir respektvoll aufschauen und von denen wir lernen können. Wir wollen nicht spielen, wir wollen nicht kuscheln und wir haben immer einen Apfel in der Tasche.

Gebt euch Mühe, strengt euch an, hört auf, die Stellenanzeigen eurer Mitbewerber zu kopieren. Nehmt euren Job ernst und liefert selbst ab, was ihr von uns fordert. Gute Qualifikationen, professionelle Arbeitsweise, selbständiges Denken und Respekt. Falls ihr nicht wisst, womit ihr anfangen sollt – fangt mit dem Denken an und lasst den Respekt folgen. Der Rest ergibt sich dann von alleine.

P.S. Guckt mal auf eure xing-Profile, die sind verbesserungswürdig. Sonst würden wir euch ja ansprechen.

 

Her mit deinen Daten – ich garantiere für nichts!

Daniel hat seinen Master of Laws fast in der Tasche, er ist in der Bewerbungsphase. Stolz auf seine Abschlüsse (Kaufmann, LL.B und LL.M) und seine ersten beruflichen Erfahrungen, füllt er sein xing-Profil aus: Vertragsmanagement, Kaufrecht, HR, Arbeitsrecht, Compliance. Bisher sucht er ja mehr, als er zu bieten hat, aber als Berufseinsteiger ist er ungebunden, flexibel und offen für Neues. Zwei Tage später meldet sich Mandy:

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Der Angesprochene schaut auf Mandys xing-Profil: Sie arbeitet bei einem Personaldienstleister in Hamburg, es scheint ihr erster Job zu sein. Ihre Ausbildung: Universität  Hamburg, keine Jahreszahl, keine Fachrichtung, offensichtlich ohne Abschluss. Neben ihrem Foto mit dem etwas fragenden Blick steht: „International Recruiter & Business Development”. Daniel sucht nach der Firma, Mandy ist auf der Homepage nicht zu finden. Aber die Branche klingt spannend: Luftfahrt. Er sucht unter den Job Opportunities nach der Vakanz. Es müsste ja etwas mit Jura sein, wenn das für einen Wirtschaftsjuristen passen sollte. Er findet eine Juristenstelle im Vertragsmanagement: 3 Jahre Berufserfahrung, Vollzeit ab sofort (AÜG), in Hamburg. Daniel sendet seinen CV mit dem Hinweis, dass er in Berlin wohnt. Kurz darauf klingelt sein Handy.

Der Recruiter ruft an

Mandy ist begeistert, dass er alles schon gemacht hat, was die Stelle fordert. Daniel verweist vorsichtshalber darauf, dass seine Erfahrungen, die er studienbegleitend  erworben hat, wohl noch nicht ganz dem Umfang und den Anforderungen ihres Kunden in der Luftfahrtindustrie entsprechen könnten. Er stellt einige konkrete Fragen zu den Aufgaben und dem Verantwortungsbereich der Position, die sie leider nicht beantworten kann. Mandy meint, es steht doch alles in der Stellenbeschreibung, die er übrigens gut recherchiert hat, sie kichert. Dann wieder ernst “Ich brauche jetzt  erst einmal weitere Unterlagen von Ihnen und natürlich Ihren Gehaltswunsch.”

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Der Einstellungsfragebogen lässt keine Fragen offen. Von der Einwilligung zu Militärprojekten bis zur Schwerbehinderung und der lückenlosen Aufzählung aller bisherigen Arbeitgeber sowie der dort erworbenen Fachkenntnisse wird auf 5 Formularseiten alles abgefragt. Was passiert eigentlich mit den Daten nach dem Auswahlprozess? Daniel fragt nach einer Datenschutzerklärung, Mandy reagiert verschnupft.

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Daniel sendet ihr den Link zu der Datenschutzerklärung auf ihrer Homepage und den ausgefüllten Fragebogen. Sie will noch mehr.

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Daniel fährt zum Vorstellungsgespräch nach Hamburg – auf eigene Kosten

Mandy hat leider keine Zeit, ihn persönlich kennen zu lernen. Aber ihr Kunde, der Leiter Vertragsmanagement, empfängt Daniel freundlich und nimmt sich über eine Stunde Zeit für ein offenes Gespräch auf dem Firmengelände. Nach den ersten Minuten steht fest, dass die ausgeschriebene Stellenanzeige nichts mit der tatsächlichen Vakanz in dem Luftfahrtunternehmen zu tun hat. Der Kunde sucht eine Krankheitsvertretung in Teilzeit, maximal 30 Stunden, mit überwiegend administrativen Aufgaben und nur einem juristischen Schwerpunkt, Prüfung von Handelsvertreterverträgen, maximal für 6 Monate, ohne Option der Verlängerung – Arbeitsbeginn am kommenden Montag. Er fragt Daniel, warum er sich als Berliner denn auf diese Position beworben hat und ob er nicht selbst denkt, dass er als Wirtschaftsjurist überqualifiziert wäre?

Auf der Rückfahrt nach Berlin ruft Mandy an 

„…und wie hat es Ihnen gefallen, machen Sie den Job?“ Daniel fragt sich, ob sie denn schon mit dem Kunden gesprochen hat. Er atmet tief durch, in ihm brodelt es. „Da gibt es keinen Job, den ich annehmen könnte. Ihr Kunde hat mir geschildert, was er eigentlich sucht und vor allem zu welchen Konditionen.“ Mandy etwas aufgebracht: „Wie, hat er jetzt alles widerrufen? Das ist die Schuld des Kunden, mir hat er was ganz anderes erzählt. Wäre es aber trotzdem für Sie interessant?“

Jetzt reagiert auch er energisch: „Noch einmal, selbst wenn ich die Aufgabe annehmen würde, weil mich ehrlich gesagt die Branche und das Unternehmen reizt, auch könnte ich mir Ihren Kunden als Chef gut vorstellen — ich kann nicht in der nächsten Woche an Hamburg anfangen, ich wohne in Berlin. Nur falls Sie es immer noch nicht geschnallt haben, ich kann weder unter der Brücke noch im Auto schlafen, ich brauche zumindest eine Bleibe in Hamburg.“

„Na, ich habe ja ganz viel Connection in Hamburg, da können wir doch was machen, sagen Sie mal eine Zahl.“ Daniel stutz: „Was für eine Zahl?“

„Was Sie verdienen müssen, damit Sie sich hier eine Wohnung mieten können. Aber vorher brauche ich noch die G37 Untersuchung, die haben Sie immer noch nicht gemacht.“ Daniel neigt sich ganz weit nach vorn und umklammert das Lenkrad, als wollte er vor Wut hineinbeißen. Er spricht langsam und ganz leise, wie zu einem kranken Haustier: „Liebe Mandy, die G37 ist eine freiwillige Untersuchung nach der Bildschirmarbeitsplatzverordnung, die der Arbeitgeber dem Mitarbeiter anbieten muss und der Arbeitnehmer in Anspruch nehmen kann. Zur Erinnerung, ich bin Jurist. Ich werde nicht noch 100 Euro dafür bezahlen, damit Sie Ihre Datenbank mit meinen Unterlagen füllen können. Und überhaupt, was sagt eigentlich Ihr Kunde, gab es schon ein Feedback?

„Nein, aber wenn das mit der Stelle nicht klappt, ich habe ja immer wieder mal was für Juristen in Hamburg.“

Am nächsten Tag kam die Absage per Mail.

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Daniel hat das Angebot zur Datenlöschung angenommen. Die Reisekosten trägt er selbst, immer noch besser, als dort arbeiten zu müssen. Er hat sich per Mail direkt beim Kunden bedankt, für die offenen Worte und seine Zeit, ihn auf dem Firmengelände zu empfangen. Nebenbei hat er empfohlen, sich nach einem fähigen Personaldienstleister umzuschauen, denn ansonsten hätte er Angst, in ein Flugzeug zu steigen.

Die Zukunft kommt nicht – wir müssen sie gestalten.

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Anwälte blicken nicht mehr nur über den Tellerrand

Der Blick in die Zukunft ist einigen Berufsgruppen schon aufgrund ihrer Profession nicht gegeben, umso erfreulicher, dass nun auch die deutschen Rechtsanwälte nicht nur über den eigenen Tellerrand, sondern gemeinsam in die Zukunft blicken, wenn auch oft begleitet von einem leichten Kopfschütteln. Verständlich, denn dieser Anstoß zur gemeinsamen Zukunftsschau kam (noch) nicht aus der eigenen anwaltlichen Selbstverwaltung, dafür haben zwei der großen Servicedienstleister der Anwaltschaft die Sache beherzt in ihre professionellen Hände genommen. Die Wolters Kluwer Deutschland GmbH – einer der führenden Wissens- und Informationsdienstleister in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Steuern – und die Hans Soldan GmbH – der führende Anbieter für Kanzleibedarf, Fachmedien und Bürodienstleistungen für Anwälte, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Deutschland – haben gemeinsam am 2. und 3. September den 1. Anwaltszukunftskongress in Köln ausgerichtet.

Der Anwaltszukunftskongress- ein gelungener Event

Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen, es war ein gelungener Event, der in  jedem Fall fortgeführt werden sollte. Ob es dann, wie fast alles in unserer Zeit, noch einmal größer, besser und schneller werden sollte? Eher nicht. Die Größe, mit 360 Teilnehmern in dem gut gefüllten und eng bestuhlten Kongresszentrum des Hotels Marriott in Köln, bot gerade noch Gelegenheit zu einem persönlichen Kennenlernen und Gedankenaustausch bei Kaffee, Snack oder Lunch. Besser machen kann man solch eine Veranstaltung kaum, es war informativ, aufrüttelnd und unterhaltsam, was schon die Auswahl der Referenten auf der Agenda versprach. Vom Justizminister von NRW, Thomas Kutschaty, über Prof. Dr. Roland Vogel der Stanford Law School  und  dem Mathematikprofessor Dr. Gunter Dueck, der als lockerer Business Engel aufmunterte, bis zu Extremsportler und Berufsmotivator Joey Kelly, um nur einige der Hochkaräter zu nennen, gab es eine bunte Palette von Ein- und Ausblicken in Visionen und Zukunftsthemen, die man anderenorts sogar schon gestaltet hat. Die Teilnehmer waren neugierig, interessiert und begeisterungsfähig. Ein schönes Bild für die Anwaltschaft, dies wünscht man sich öfter. Schneller sollte es auch nicht werden, die beiden Tage waren gut gefüllt, wie auch der Kopf. Insofern hat der abendliche Cocktail dann auch endlich die Gedanken zwischen Legal-Tech und Zukunftsangst etwas ruhen oder bei manchem auch kreisen lassen.

Die Zukunft bringt nichts – wir müssen sie gestalten

Aber der Blick in die Zukunft ist ja bekanntlich auch nicht ohne Risiko. Schließlich kann es passieren, dass man plötzlich erkennt, dass das, was man in der Ferne zu sehen glaubt, gar nicht die Zukunft ist, sondern die Gegenwart. Es kann sein, dass man aufwacht und merkt, dass man an altem, längst Vergangenem festhält und längst eher in der Vergangenheit als in der Gegenwart lebt. Und es ist nicht nur die Technik, die sich gravierend verändert hat. Wenn auch die Präsentationen der neuen Versionen der Kanzleisoftware- und Cloudlösungen, der Sprach- und Stimmerkennung und der Legal-Tech-Portale am Rande des Kongresses beeindruckend waren, das ist nur Technik, das kann man alles lernen und beherrschen. Was aber wirklich besorgniserregend ist, ist die Feststellung, dass sich offensichtlich auch die Menschen verändert haben. Wenn Recruiting auch nur eine Nebenrolle auf dem Anwaltszukunftskongress spielte, hier war die Unsicherheit, was uns da noch bevor steht oder wer in Zukunft vor unserer Tür steht, am deutlichsten zu spüren. Die Generation Y gibt es wirklich, so die Feststellung der ntv – Moderatorin Rommy Arndt, die charmant durch den Kongress führte. Auch wenn diese Generation Y schon zu Z mutiert, sie diktiert die Zukunft. Da würde sich so manche Kanzlei wohl eher mit „Watson“ anfreunden, als mit einem unangepassten Nachwuchskandidaten. Insofern hat künstliche Intelligenz auch einen Vorteil: Man kann sie füttern und die frisst einem aus der Hand. Noch jedenfalls.

Zukunft beginnt mit Gedankenaustausch

Bei allem Unmut über die junge Generation, mit ihrem Anspruch an Sinnhaftigkeit nebst Selbstbestimmung mit Freizeitausgleich, dürfen wir nicht übersehen, dass sie die Zukunft gestalten wird, während wir oft noch warten, dass die Zukunft kommt und auch noch etwas bringt. Dass die Jugend damit bereits begonnen hat, zeigten die Legal-Tech Gründer auf dem Anwaltszukunftskongress in Köln auf lockere Weise. Die Veranstaltung war ein wichtiger Schritt zu einem gemeinsamen Diskurs zwischen Anwaltszunft, Technikfreak und IT-Nerd, zwischen jungen und erfahren Menschen, zwischen Plattformberatung und Berufsrecht. Hier gibt es noch viel zu diskutieren – nicht erst in der Zukunft. Die nächste Gelegenheit bietet der Deutsche Anwaltstag 2017 in Essen zum Thema Digitalisierung.

LTO-Sonderveröffentlichung- Die neuen Juristen – zum Download

 

Alles nicht neu und doch kein Schnee von gestern.

WeihnachtsbaumEin frischer Wind treibt die letzten Weihnachtsbäume durch die Straßen. Traurig sehen sie aus, vielleicht weil sie in diesem Winter keinen Schnee gesehen haben. Ansonsten ist alles wie immer, das Jahr geht so dahin und ich frage mich, was denn neu ist? Eigentlich ist alles beim Alten. Die Kanzleien suchen Notarfachangestellte mit langjähriger Berufserfahrung im Immobilien- und Gesellschaftrecht, gute Englischkenntnisse sind von Vorteil. Ich habe eine (1) Bewerberin, der ich mindestens 22 gut dotierte Jobofferten der Berliner Notariate unterbreiten kann. Aber wer weiß, vielleicht wechselt sie ja auch in eine Behörde oder eine Immobilienfirma. Sie hat nur die Qual der Wahl. Der Markt hat sich gedreht, man könnte auch sagen, er ist gekippt. Aber das ist nicht neu. Wer dennoch hofft, dass dieses Problem schmilzt wie der Schnee von gestern, wird auch im kommenden Jahr sagen: Alles nicht neu…

Auch nicht neu, aber tatsächlicher Schnee von gestern, ist die Beschreibung des wachsenden Konkurrenzdrucks unter Anwälten, so wie hier im aktuellen Newsletter Karriere-Jura vom Februar 2016. Beim Lesen stolpert man allerdings über folgende Mutmaßung: „Was das Jahr 2014 allerdings konkret bringen wird, kann dir niemand mit Sicherheit sagen.“ Es folgt eine Prognose des Audimax zum Arbeitsmarkt für Juristen 2011 und die Personalplanung ausgewählter Unternehmen vom gleichen Jahr. Gekrönt wird dieser Zukunftsausblick mit den Arbeitslosenzahlen 2009 unter den Juristen ohne Richter, Staatsanwälte oder sonstige Beamte. Man muss die Zahlen nicht mit den aktuellen Zahlen vergleichen, denn es ist alles nicht neu. Und eins ist sicher: „Das Jura- Studium erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.“

Inhouse sind wir ziemlich uncool

Die Schule ist aus! Eigentlich haben sich die Absolventen der Abschlussklassen die letzten Schulferien ja verdient und sollten sie auch in Ruhe genießen, aber sie kommen nicht dazu. Denn ein Untier macht Jagd auf die Schulabgänger und treibt sie durch die Bundesländer. Es ist der Nachwuchsmangel. Er kommt mit ausgestrecktem Arm und hoch gestelltem Daumen. Oft trägt er ein Basecap, kurze Hosen und ein Skateboard unter dem Arm  oder er ist auf Rollschuhen unterwegs. Lauthals schreit er die wenigen Worte, die er kennt: Karriere, Zukunft, Traumjob, Chance und cool. Manchmal entfleucht ihm auch ein geil. Seine Gefährlichkeit sieht man ihm auf den ersten Blick gar nicht an, denn er trägt ein Dauergrinsen im Gesicht. In Zeiten von Diversity tritt er vorsichtshalber in bunt gemischten  Gruppen von Jungen und Mädchen auf. Er bewegt sich sehr auffällig, denn er ist als Hip-Hopper oder Rapper unterwegs, Kopfhörer gehören zu seiner Standardausstattung. Bis zu den Abschlussprüfungen ist der Nachwuchsmangel besonders aktiv. Nicht nur, dass er die Schüler von einer Ausbildungsmesse zur nächsten jagt, er sorgt auch dafür, dass sich erwachsene Menschen kindisch, albern und oftmals peinlich benehmen. Da sind Unternehmen auf einmal cool, Chefs werden hip und Personaler fragen sich permanent, was sie der Generation Y bieten müssen, um sie anzulocken. Einprägsame und anschauliche Beispiele für schlechte HR-Kommunikation finden Sie hier: Die goldene Runkelrübe.

Kurz vor Ausbildungsbeginn scheint die Angst vor dem Nachwuchsmangel allerdings fast überwunden, denn es werden nun ganz andere Töne angeschlagen. Die Daumen gehen nach unten, die kurze Hose bleibt im Schrank und das Antanzen ist nun wörtlich gemeint. Das Untier hat sich verzogen und der frisch gewonnene Azubi sollte nun gucken, wie der Hase läuft.

Aufmerksam, freundlich, interessiert – der beste Eindruck

„Natürlich möchte man einen guten Eindruck machen, wenn man als neuer Azubi in einem Betrieb anfängt. Es ist aber normal, dass es eine Weile braucht, bis man weiß, wie der Hase dort läuft. Da nützt es, aufmerksam alles zu beobachten, gut zuzuhören und ein paar allgemeine Spielregeln zu beachten. Dabei immer freundlich sein und auch das Erscheinungsbild nicht vergessen. Das ist dann schon mal die beste Grundlage für den stolperfreien Start.“ Quelle: Die ersten Tage

Das Untier muss sich von der anstrengenden Marketingkampagnen erst einmal erholen, denn in ein paar Monaten heißt es wieder: STARTE DEINE KARRIERE JETZT!

Wie sich der Mittelstand ernsthaft um Nachwuchs bemüht, lesen Sie in einem Artikel der Wirtschaftswoche vom 18.05.2015.

Wenn Sie selbst Nachwuchssorgen haben, dann finden Sie hier unser Angebot zum AusbildungsMarketing.