Articles tagged with: ReNoPat

Wie aus der Recruiterin eine Gründelente wurde.

Gründelente

Ich weiß, es gibt keine Gründelenten, aber ich bin wohl eine. Viele Wasservögel beherrschen die Technik der Nahrungssuche unter Wasser, indem sie einfach nach vorne über kippen. Die großen Schwäne mit ihrem langen Hälsen sind in tieferen Gewässern natürlich wieder klar im Vorteil. Aber was bleibt der Ente, wenn die fette Entengrütze auf dem See weggeschanttert ist. Sie kippt vorne über und wühlt mit dem Schnabel den Schlamm auf. In der Hoffnung, dass sich in der trüben Brühe irgendetwas Verwertbares zur Nahrungsaufnahme finden lässt, steckt sie fast den ganzen Tag samt Kopf und Hals im Wasser. Das nennt man gründeln. Da unten trifft sie dann auf diese  am Boden lebenden Fische, die mit ihrem komisch geformten breiten Maul ständig den Boden absaugen. Also bleibe ich bei der Gründelente.

Mit dem Kescher zu neuen Ufern

Als ich vor 11 Jahren als Recruiterin im juristischen Assistenzbereich meine Netze auswarf, hatte ich den Kescher als Sinnbild meiner Tätigkeit. Vorsichtig, aber durchaus mit Schwung und Elan, habe ich meine Kandidaten aus dem Teich gehoben.  Nach gewissenhafter Begutachtung und sorgsamer Behandlung habe ich sie an neue Ufern gebracht oder ihnen in größere Gewässer geholfen. Manche habe ich aus einem Strudel oder Sog befreit und wieder in ein klares Wasser und eine schönere Umgebung versetzt.

Am Boden angekommen

Ein Jahrzehnt später stehe ich selbst knietief im Wasser. Ich gründele! In der Hoffnung, dass sich in dem Teich noch irgendetwas bewegt. Aber der Nachwuchs ist spärlich, viele schaffen es auch gar nicht bis an die Oberfläche. Ein Berufsbild, das, wie das der ReNoPat, seit Jahren rückläufige Ausbildungszahlen, steigende Abbruchraten und sinkende Notendurchschnitte aufweist, ist längst bei der Agentur für Arbeit als Problemfall gelistet. Jeder Ausbildungplatzsuchende, egal ob geeignet oder nicht, bekommt die Empfehlung zur ReNo-Ausbildung.  Jeder Anspruchsberechtigte für eine Umschulung bekommt eine ReNo-Empfehlung.

„In dem Beruf der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten wird immer gesucht, da bekommst auch du einen Job.“

Und so wächst die Zahl derer, die da unten am Grund rumdümpeln und nie ohne Hilfe an die Oberfläche kommen werden. Am Ufer des Teiches, in der sichtbar untergehenden Abendsonne, sitzen übrigens dicht gedrängt die Rechtsanwälte. Die Notare haben vor allem am Nordufer Position bezogen, die Patentanwälte eher an der Südseite, im Westen liegen die Sachwalter der Insolvenzrechtskanzleien auf der Lauer und im Osten verstecken sich die Immobilienfirmen und der öffentliche Dienst. Alle warten. Sie warten übrigens schon über ein Vierteljahrhundert darauf, dass sich der Teich wieder füllt und sie hoffen vor allem auf junge, flinke Nachwuchskräfte.  Die, die sie schon mehrmals im Kescher hatten, und dann nach einer Befristung, Probezeit oder Zeitarbeit wieder zurückgekippt haben, wollen sie natürlich nicht mehr.

Trübe Aussichten

Aber sie wollen auch nicht selber gründeln. Dafür gibt es ja Recruiter und Headhunter. In der Hoffnung, dass wenigstens ein Personalvermittler einen Fang anschleppt, werden gleich mehrere ins Rennen geschickt. Die locken dann ihrerseits mit Wasser und Obstkorb. Man merkt, dass sie den Lebensraum der ReNoPat oft wenig kennen. Aber der Schnellste gewinnt. Einfach den Lebenslauf oder gleich das xing-Profil hinschicken und dann gucken, ob man der Erste war. Nun, seit einiger Zeit ist der Boden sehr aufgewühlt, das Wasser ist trübe und die schlauen Kandidaten verstecken sich gekonnt im Schilf oder wandern in einen anderen Teich ab.

Aber die Gründelente kennt natürlich die Verstecke und sie geht ab und zu mal schnattern.


P.S. Schön wäre es natürlich, wenn die Berufsträger auf ihren Uferbänken mal mitsingen würden.

 

Warum waren so wenig Frauen auf dem Anwaltszukunftskongress?

Ob sie eine Assistenz haben oder nicht

Anscheinend ließ die Erinnerung an die attraktive ntv-Moderatorin oder an die fehlende Tanzpartnerin bei der Abendveranstaltung auf dem Anwaltszukunftskongress in Köln im nachhinein bei dem ein oder anderen Teilnehmer doch noch die Frage aufkommen:

Warum waren so wenig Frauen auf dem Kongress zu sehen und vor allem zu hören?

Auch ohne digitales Analysetool kann man leicht feststellen, dass es wenig Frauen in technischen Berufen gibt, zu wenig Frauen in der Softwarebranche, ganz wenig weibliche Gründerinnen, vor allem im Legal-Tech-Bereich und viel zu wenig weibliche Führungskräfte und Partnerinnen in Anwaltskanzleien. Da war es doch leicht vorherzusagen, dass man nur wenigen Frauen auf dieser Veranstaltung begegnen würde.

Die AnwenderInnen der digitalen Lösungen

Es sei denn, der ein oder andere Kanzleieigner hätte seine Rechtsanwaltsfachangestellte oder die Rechtsfachwirtin seiner Kanzlei nach Köln eingeladen. Das wäre ja zumindest bei den Themen Kanzleiorganisation, digitale Spracherkennung, Arbeiten in der Cloud und mit beA sicher ganz hilfreich gewesen. Als tägliche Anwenderin kennt sich die Fachkraft mit den Softwarelösungen rund um Posteingang und Dokumentenmanagement nämlich bestens aus. Sie  weiß sehr genau, was sich bei der Mandatsbearbeitung durch technische Lösungen schneller, standesrechtlich sicher und kostengünstig erledigen lässt oder eben auch nicht. Sie hätte die Gelegenheit nutzen können, um sich von Anbietern wie z.B. ReNoStar und DATEV schon einmal demonstrieren zu lassen, was sie bei der Softwareeinführung der nächsten Generation alles lernen muss. Aber dafür gibt es ja dann sicher andere Gelegenheiten, die von der Kanzlei extra für die ReFa gebucht werden. Das dann allerdings möglichst nach Feierabend, denn zu den Bürozeiten ist sie in der Kanzlei unverzichtbar. Und auch nur deshalb durfte sie nicht mit, zum Zukunftskongress. Schließlich war die Personalsituation in der Assistenz schon in der Vergangenheit eine Katastrophe.

Ob Sie eine Assistenz haben…oder eben nicht!

In diesem Zusammenhang sollte man sich einmal die Frage stellen, ob sich durch die Digitalisierung, durch Legal-Tech und Künstliche Intelligenz etwas an dieser Problematik ändern könnte. Sicher sind die Diktier-, Sprach- und Schrifterkennungstools bereits auf einem sehr hohen Niveau und ein echtes Zeit- und Ressourcenpotential, nicht zuletzt für die Assistenz selbst. Aber machen wir uns nichts vor, auch die beste Kanzleisoftware muss bedient werden. Dass die ReFa dem Anwalt schnell noch beibringt, wie er seine RVG-Abrechnung macht und die Kostennote schreibt, bevor er sie (aufgrund Digitalisierung) entlässt, ist keine Zukunftsmusik, sondern reine Utopie. Der Kongress hat eher den Eindruck erweckt, dass das Anwaltsgeschäft schneller und einfacher standardisiert wird, als die Aufgaben der Fachassistenz. Annähernd 300.000 Assistenzkräfte arbeiten für die deutsche Anwaltschaft. Die Ausbildungsordnung für die ReNoPat wurde vor zwei Jahren grundlegend überarbeitet. Leider wurde sie nur der Gegenwart angepasst und nicht auf die Zukunft ausgerichtet.

Berufliche Ausbildung als Hexe

Screenshot 2015-10-04 11.42.00

Die Top-Suche auf meiner Homepage für die juristische Assistenz lautete in dieser Woche: „berufliche Ausbildung als Hexe“.  Welch zauberhafte Idee! Mein Dank an die Unbekannten, die diese Suchbegriffe ins Netz eingegeben haben! Die gleichlaufende Suche nach Gehilfinnen sei in diesem Zusammenhang verziehen. Denn welche Gehilfin (Angestellte) im Anwaltsbereich hätte sich nicht schon einmal gewünscht, hexen, zaubern oder hellsehen zu können? Nicht nur weil es in der Kanzlei oft zu viel zu tun gibt, wünscht sich die Anwaltssekretärin übersinnliche Kräfte. Der Wunsch entsteht eher aus der mangelhaften Kommunikation mit ihrem Anwalt. Was meint, wünscht oder erwartet er? Ein Post it auf der Akte spricht nicht, ein mürrisches Gesicht hingegen Bände. Ob sie etwas vergessen oder falsch gemacht hat? Sie weiß es nicht. Wenn er nicht spricht, dann beginnt sie ihn zu beobachten, zu interpretieren und für ihn voraus zu denken. Ob sie damit richtig liegt, erfährt sie nur, wenn es falsch war. Das ist das Besondere an der anwaltlichen Assistenz, man arbeitet weisungsgebunden und muss doch, eher heimlich, mit- und vorausdenken. Hellseherische Fähigkeiten würden an dieser Stelle sicher helfen.

Leider sind in der neuen Ausbildungsverodnung für die ReNoPat- Berufe auch diesmal keine Zauberstunden vorgesehen und es gibt auch keine berufliche Ausbildung als Hexe. Vielleicht haben ja sogar die Anwälte mit dieser Suchanfrage nach Auszubildenden gesucht? Denn um an der desolaten Ausbildungssituation noch etwas ändern zu können, braucht man schon magische Kräfte. Da sagt sich so mancher Anwalt oder Notar: Lieber eine Hexe in der Kanzlei, als gar keine Gehilfin.

Aber keine Angst,  sicher ist die mystische Suchanfrage nur auf den nahenden Halloween zurückzuführen. Die Assistentinnen haben einfach nach einer passenden Verkleidung gegoogelt und die Kostüme der blutsaugenden Vampire waren schon vergeben. Dagegen ist so eine kleine Hexe doch wirklich zauberhaft.

Schminken zu Halloween: Hexen Make-up leicht gemacht — by Horrorklinik.de

Nachwuchs für den Berliner ReNoPat – Markt

ReNoPat-Absolventen 2015 Berlin
Herzlichen Glückwunsch an die 129 Absolventen der Hans-Litten-Schule (OSZ Recht) in Berlin!

Von 163 Prüfungsteilnehmern haben 129 Azubis ihre ReNoPat – Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, wobei man in der Berlin davon ausgehen kann, dass es doch fast ausschließlich ReNo´s sind, die nun dem Berliner Kanzleimarkt zur Verfügung stehen. Das Patentwesen ist (noch) nicht in Berlin angekommen. Aber dazu mehr in einem späteren Artikel. Etwas über 100 frische ReNos stehen nun den Berliner Rechtsanwälten, Notaren und Anwaltsnotaren zu Diensten. Inwieweit die Absolventen während ihrer Ausbildung allerdings die Möglichkeit hatten, im Notariat mehr Einblick zu gewinnen, als nur den Notaren einige Praxiswochen lang über die Schulter zu schauen, kann man der Statistik leider nicht entnehmen. Was aber ganz offensichtlich ist, dass die Absolventenzahlen alles andere als vollbefriedigend sind. Die wenigen sehr guten Absolventen erinnern an die Examensprüfungen bei den Volljuristen, insofern werden sie den Anwalt nicht erschrecken. Aber hätte man in einem Ausbildungsberuf eine Durchfallerquote von über 20 % erwartet? Man darf nicht vergessen, dass die Abbrecherquote (also die, die erst gar nicht bis zur Abschlussprüfung durchhalten) in diesem Berufsfeld bei 28 % liegt.

An dieser Stelle eine Rechenaufgabe:

Wie viele Azubis muss man in Berlin rekrutieren um den Bedarf zu decken, wenn 28% hinschmeißen, 21 % durchfallen und noch einmal 12% mit ausreichend bestehen?

Tipp: Berlin (ohne Brandenburg) verzeichnet lt. RAK aktuell 13.774 Rechtsanwälte und 772 Notare.

P.S. Allein in der Stellenbörse der RAK Berlin sind aktuell (eine Woche vor Ausbildungsbeginn) noch 15 offene Ausbildungsplatzangebote zu finden.

Xing-Gruppe ReNoPat-Nachwuchsförderung gegründet

Logo Renopat 600
Die ReNoPat – ist eine Berufsgruppe von drei dualen Berufsbildern, die eigentlich vier sind. Sie umfasst die staatlich anerkannten, dualen Ausbildungsberufe der:
• Rechtsanwaltsfachangestellten
• Notarfachangestellten
• Patentanwaltsfachangestellten
• Rechtsanwaltsfach- und Notarfachangestellten
Während die Anwälte seit Jahren über Nachwuchsmangel klagen, spekulieren verschiedene Branchenvertreter bereits über die Zukunft der klassischen Anwaltsassistenz. Da weder Klagen noch Spekulationen das Nachwuchsproblem lösen, wurde diese Gruppe ins Leben gerufen. Mit ihr wurde auch das Logo geboren, es symbolisiert den Einklang der Berufe, die sich alle gemeinsam – und jede für sich – um den juristischen Berufsstand drehen.
Ziel der Gruppe ist es, das Interesse an dem Berufsbild zu wecken, Aktionen und Veranstaltungen zum Ausbildungsmarketing zu etablieren, die die Ausbildungssituation nachhaltig zu verbessern. Die Gruppe dient dem beruflichen, fachlichen und gegenseitigen Austausch von Ausbildern, Auszubildenden, Ausbildungsverantwortlichen und Interessen.
Als Moderatorin richte ich mich an alle Arbeitgeber im juristischen Bereich vom Einzelanwalt bis zur internationalen Wirtschaftskanzlei sowie an Verbände, Vereine und Unternehmen.
Die Gruppe ist offen für Schüler, Auszubildende, Studienabbrecher und alle, die wissen wollen, was denn eine ReNoPat macht.
Es ist Zufall, dass die Gruppe an einem grauen Siebenschläfer an den Start geht. Aber es ist ein gutes Zeichen, dass Berlin heute Christopher Street Day feiert. Alles ist bunt in dieser Stadt.
In diesem Sinne ist jeder herzlich eingeladen, der offen und respektvoll auf andere Menschen zugeht.
xing LogoXing-Gruppe: ReNoPat-Nachwuchsförderung  Wir freuen uns auf Sie!