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Das Proprium des Wirtschaftsjuristen

WirtschaftsrechtDer Wirtschaftsjurist ist ein exemplarisches Beispiel dafür, dass das Leben im Univer§um nicht  schnell oder gar rasant, sondern äußerst langsam und beharrlich verläuft. Vor 20 Jahren, in der Zeitrechnung eines Studenten eine gefühlte Ewigkeit, wurde im Westfälischen der Wirtschaftsjurist geboren. Zwei Jahrzehnte später fragt sich heute noch so mancher Bachelor- oder Masterabsolvent im Auswahlverfahren: Was hat der, was ich nicht habe? Gemeint ist hier natürlich der Volljurist. Bei einem Rechtsanwalt stellt sich die Frage nicht, er hat das Privileg der anwaltlichen Beratung. Aber der Volljurist ist ebenso wenig zugelassen, wie der Wirtschaftsjurist. Aber er könnte, wenn er denn wollte – und überhaupt er ist halt voll ausgebildet.
Noch immer schreibt, diskutiert und debattiert man bei der Stellenbesetzung darüber, in welchem Fall man denn auf einen Wirtschaftsjuristen zurückgreifen könnte und ob man nicht mit einem Volljuristen am Ende besser beraten sei. Sicher aus Kostengründen, das weiß man heute sogar in den Wirtschaftskanzleien. Für den Kostendruck sorgen die Mandanten. Und so finden die Wirtschaftsjuristen nun doch stärkeren Zugang in die Welt der internationalen Wirtschaftsberatungsunternehmen. Gern nimmt man Professional Support Lawyer, Projektjuristen und Vertrags- und Transaction Manager. Der Vielfalt der wohl klingenden Bezeichnungen sind hier kaum Grenzen gesetzt. Der Tätigkeit nach wie vor. Das liegt weniger am Können, als am Zulassen und am Vertrauen. Aber das ist hier wie überall im Universum, die Welt dreht sich schnell, aber wir selbst sind beharrlich in unseren Einstellungen und Vorurteilen. Was kann man tun?

Der Wirtschaftsjurist sollte sich fragen: Was habe ich, was er nicht hat?

Nach zwei Jahrzehnten ist es an der Zeit, die Sache einmal umzudrehen. Sich nicht zu rechtfertigen, dass man auch einen juristischen Studiengang belegt hat und sich nicht als halber Jurist degradieren zu lassen. Der Studiengang wurde für die Belange der Wirtschaft entwickelt. Das juristische Know how sollte in die Unternehmen getragen werden und der juristische Berater sollte wirtschaftliches Verständnis haben. Dass dies immer nach wie vor ein lohnendes Ziel ist, liegt auf der Hand. Es gibt tausende Absolventen, die an den verschiedensten Schnittstellen der Wirtschaft ihren Platz gefunden haben und seit vielen Jahren einen guten Job machen. Sie sollten davon erzählen, von den Hürden, die sie genommen haben, von den Chancen, die sich ihnen boten, von ihren Stärken und auch von den Schwächen der wirtschaftsjuristischen Studiengänge. Sie sollten den Studienanfängern und Absolventen mit ihren Erfahrungen Mut machen und die Sache auch noch etwas anschieben.

Gelegenheit dazu bietet der 1. Wirtschaftsjuristentag am 25.09.2015 in Recklinghausen.

Organisiert vom Fachbereich Wirtschaftsrecht der Westfälischen Hochschule sind zu dem Netzwerktreffen alle Absolventinnen und Absolventen interdisziplinärer wirtschaftsjuristischer Studiengänge aller Hochschul- und Abschlussarten herzlich eingeladen. Neben fachlichem Austausch und einigen Workshops geht es nicht zuletzt um das Proprium des Berufsbildes – man könnte auch sagen um das Selbstverständnis seiner Vertreter und die Wahrnehmung als Berufsgruppe.

„DAS PROPRIUM DER WIRTSCHAFTSJURISTEN. Es geht um die Frage, welche die kennzeichnenden Merkmale von Wirtschaftsjuristen sind, wodurch diese sich von Volljuristen unterscheiden und ob bzw. in welchem Maße sie eine eigene identifizierbare Berufsgruppe darstellen. In die Diskussion sollen neben konzeptionellen Überlegungen vor allem Erfahrungen der berufstätigen Wirtschaftsjuristen aus den unterschiedlichen Berufsfeldern einfließen, um möglichst zu einem gemeinsamen Verständnis des ‚Propriums‘ der Wirtschaftsjuristen zu gelangen.“ Zitat aus dem Programm

 Hier können Sie sich über das weitere Programm informieren und sich anmelden: Vielleicht treffen wir uns in Recklinghausen…Logo grün