2015-06-05 11.14.17Am 05.06.2015 hat die IHK Berlin im Rahmen der Kampagne: Unternehmen mit Frauen an die Spitze zum Besuch des rbb eingeladen. Senatorin Dilek Kolat eröffnete die Veranstaltung zum Thema Diversity mit dem Satz: „Wir freuen uns auf die Veranstaltung Unternehmen an die Spitze“ und wurde vom IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder lachend darauf hingewiesen, dass sie doch die Frauen vergessen hätte. Vielleicht lag es ja daran, dass sie eigentlich von Frauen an der Spitze sprechen wollte, denn es ging letztlich darum, dass der Sender mit Dagmar Reim die erste weibliche Intendantin an der Spitze hat und dies bereits seit 2003. Die Veranstaltung bot Gelegenheit für eine Führung durch das historische Haus des Rundfunks in der Masurenallee, was natürlich schon aus architektonischen und technischen Gesichtspunkten ein Erlebnis war.

Aber wirklich faszinierend war für mich eine andere Art von Kultur – spürbare Unternehmenskultur. Ein freundliches Willkommen, was nicht an jeder Berliner Pförtnerloge selbstverständlich ist, eine kompetente Führung durch rbb-Mitarbeiter, die von Freude an der Arbeit berichteten, Offenheit für Fragen und eine selbstverständliche Fotoerlaubnis. Auf dem Weg durch das Haus und durch die Ton- und Aufnahmestudios begegneten mir freundlich grüßende und lächelnde MitarbeiterInnen. Laptop oder Skript in der Hand, drängten sie schnell an der Gruppe vorbei und machten dabei einen irritierend entspannten Eindruck, was umso bemerkenswerter ist, wenn man gerade erfahren hat, dass Studiozeiten in Sekunden getaktet werden. Aber es war nicht zu übersehen, hier arbeiten echte Menschen, die sich auch untereinander grüßen, die Tür aufhalten, wenn jemand einen Scheinwerfer in den Fahrstuhl schieben will und danke sagen.

Als ich den Ausführungen von Frau Reim auf der Podiumsdiskussion aufmerksam und teilweise schmunzelnd lauschte, wurde mir klar, dass es an der Führung liegt, dass dieses Haus ein gutes Klima hat. Die Frau bringt das Unternehmen nicht nur an die Spitze, sondern die Sache auch auf den Punkt. Frauen sind kein Frauen- sondern ein gesellschaftliches Thema. Der Kulturwandel muss sich in den Köpfen vollziehen. Sie ist froh, dass sie im Sender die Gleichstellung auf gewaltfreiem Wege vollzogen und keine Männerdiskriminierung haben. Die Frau hat Humor und Biss.

An dieser Stelle musste ich daran denken, dass in der Kanzleiwelt gerade stark bedauert wird, dass bei der Mandatsvergabe den Unternehmen die Diversity in den Kanzleien ziemlich egal ist und man nicht danach fragt, ob und wie viele Partnerinnen denn an dem Mandat arbeiten werden. Mag wohl daran liegen, dass jeder für seinen Kulturwandel selbst sorgen muss und man Einstellungen, Ansichten und Verhalten weder ein- noch auslagern kann.

Wie prägend eine Führungspersönlichkeit für eine Unternehmenskultur sein kann, wurde mir umso mehr bewusst, als eine Mitarbeiterin des Senders beim Buffet zu mir sagte: „Ach, dass es jetzt sogar noch was zu futtern gibt, haben wir ihr auch zu verdanken. Wir haben schon alle Angst, wenn sie einmal in Rente geht…“

Man hofft, dass in der Zwischenzeit genug Frauen nachgewachsen sind und die dann auch (so wie sie damals) ermutigt werden, die Nachfolge anzutreten. Aber so ist das im Leben, nichts ist von Dauer und nichts kommt von allein.

Die Podiumsdiskussion wird am 04.07.2015 um 11.00 Uhr auf Inforadio gesendet und ist im Podcast des rbb zu hören.

Wenn Sie noch einmal Paternoster fahren wollen, dann bitte hier ganz vorsichtig einsteigen: