ReNo-Auszubildende 2017 RAK-Berlin

ReNo-Auszubildende-Berlin-2017134 Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte wurden 2017 im Oberstufenzentrum Recht an der Hans-Litten-Schule in Berlin Charlottenburg in zwei Ausbildungsgängen (Frühjahr und Herbst) erfolgreich zur Abschlussprüfung geführt. Allerdings lösten genau so viele – 134 Auszubildende –  ihren mit einer Berliner Kanzlei geschlossenen Ausbildungsvertrag vorzeitig auf. Von den knapp 300 mühsam angeworbenen Schülern stellten sich nur 162 der Abschlussprüfung. Die Durchfallquote lag dennoch bei 23,65 %. Also standen den 14.025 in Berlin zugelassenen Rechtsanwälten 134 frische gebackene ReNo´s mit durchweg mittelmäßigem Abschluss zur Verfügung. Auf 1000 Rechtsanwälte kommen in Berlin nur 41 Auszubildende. Laut DAV Statistik findet sich die niedrigste Ausbildungsdichte in den Kammerbezirken Frankfurt am Main (31), Berlin (41) und München (53).

Die Auszubildenden des Ausbildungsjahres 2018 bereiten sich gerade auf ihre Abschlussprüfung vor. Es ist übrigens keine Verbesserung der Lage zur erwarten. Zum Stichtag (30.Juni 2018) waren in Berlin erst 57 Ausbildungsverträge geschlossen.

Familie + Karriere = Familienunternehmen

geburtstag fest

Fragen Sie doch bei der nächsten Familienfeier einmal, was sich die anwesenden Söhne und Töchter, Neffen, Nichten, Cousins und Cousinen unter einem Familienunternehmen vorstellen. Sie werden erstaunt sein. Am besten, sie halten zum Trost schon mal einen guten Schluck vom regionalen Bier oder vom benachbarten Weingut bereit.

„Wenn Mutti den Laden zu Hause schmeißt, muss ja schließlich alles gemacht werden – Kochen, Putzen, Kinder erziehen – dann ist sie Familienmanagerin, haha.“

„Na, der Döner an der Ecke oder der Italiener nebenan, das ist alles Familie, echt.“

„Familienunternehmen? Ne, ich bin froh, dass ich Familie erst mal los bin, die nervt nur.“

„Ich will lieber ein großes, sicheres und internationales Unternehmen, mit Geld und Karriere und so, ich habe ja schließlich studiert.“

Was für Vorstellungen! Auch wenn man nach dem „Mittelstand“ fragt, werden die Antworten nicht besser.

„Mittelstand? Keine Ahnung, Handwerker oder so?“

Wer auf Karriere getrimmt wird, gibt sich mit Mittelstand nicht zufrieden. Mittelstand klingt so nach Mittelmaß, der Nachwuchs will nach oben.

Nur, um Sie zu warnen, der gängige Satz „der Mittelstand ist der größte Arbeitgeber und Wachstumsmotor Deutschlands“ zeigt leider keine Wirkung – viel zu plakativ und abgedroschen.

Jetzt sind Sie mal ganz ehrlich zu sich selbst, die Kinder hören gerade nicht zu, über welches mittelständische Unternehmen können Sie spontan berichten? Welches Familienunternehmen können Sie als attraktiven Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb empfehlen? Welche Karrieremesse kennen Sie, die nicht von den üblichen Konzernen initiiert wird? Sie meinen, Berufsorientierung ist jetzt nicht gerade Ihre Aufgabe? Oh doch, die Jugendlichen fragen immer noch in erster Linie ihre Eltern und Lehrer, wenn es um die Berufswahl geht. Außerdem sollte man ja mit der Orientierung nicht erst beginnen, wenn die Frage nach dem Berufswunsch schon unter den Nägeln brennt.

Wenn Sie sich orientieren möchten, dann empfehle ich den Karrieretag Familienunternehmen. Die Firmenkontaktmesse gibt es übrigens bereits seit 2006. Das Spannende daran, sie findet nicht in kargen Messehallen, sondern in lebenden Organisationen statt. Die nächste Messe ist am 13.11.2015 in Melsungen. In welchem Unternehmen sich die bereits angemeldeten Teilnehmer treffen, erklärt sich von selbst. Melsungen ist seit 175 Jahren die Familie B. Braun. Mit 54.000 Mitarbeitern in 62 Ländern erwirtschaftete die B. Braun AG im Jahr 2014 einen Umsatz von 5,4 Mrd. Euro. Das ist doch wohl alles andere als mittelmäßig.

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P.S. Wenn Sie sich gerade fragen, was dieser Beitrag denn mit Juristen zu tun hat? Nun, auf der Messe treffen Sie Ihre (zukünftigen) Mandanten.

Nachwuchs für den Berliner ReNoPat – Markt

ReNoPat-Absolventen 2015 Berlin
Herzlichen Glückwunsch an die 129 Absolventen der Hans-Litten-Schule (OSZ Recht) in Berlin!

Von 163 Prüfungsteilnehmern haben 129 Azubis ihre ReNoPat – Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, wobei man in der Berlin davon ausgehen kann, dass es doch fast ausschließlich ReNo´s sind, die nun dem Berliner Kanzleimarkt zur Verfügung stehen. Das Patentwesen ist (noch) nicht in Berlin angekommen. Aber dazu mehr in einem späteren Artikel. Etwas über 100 frische ReNos stehen nun den Berliner Rechtsanwälten, Notaren und Anwaltsnotaren zu Diensten. Inwieweit die Absolventen während ihrer Ausbildung allerdings die Möglichkeit hatten, im Notariat mehr Einblick zu gewinnen, als nur den Notaren einige Praxiswochen lang über die Schulter zu schauen, kann man der Statistik leider nicht entnehmen. Was aber ganz offensichtlich ist, dass die Absolventenzahlen alles andere als vollbefriedigend sind. Die wenigen sehr guten Absolventen erinnern an die Examensprüfungen bei den Volljuristen, insofern werden sie den Anwalt nicht erschrecken. Aber hätte man in einem Ausbildungsberuf eine Durchfallerquote von über 20 % erwartet? Man darf nicht vergessen, dass die Abbrecherquote (also die, die erst gar nicht bis zur Abschlussprüfung durchhalten) in diesem Berufsfeld bei 28 % liegt.

An dieser Stelle eine Rechenaufgabe:

Wie viele Azubis muss man in Berlin rekrutieren um den Bedarf zu decken, wenn 28% hinschmeißen, 21 % durchfallen und noch einmal 12% mit ausreichend bestehen?

Tipp: Berlin (ohne Brandenburg) verzeichnet lt. RAK aktuell 13.774 Rechtsanwälte und 772 Notare.

P.S. Allein in der Stellenbörse der RAK Berlin sind aktuell (eine Woche vor Ausbildungsbeginn) noch 15 offene Ausbildungsplatzangebote zu finden.

Inhouse sind wir ziemlich uncool

Die Schule ist aus! Eigentlich haben sich die Absolventen der Abschlussklassen die letzten Schulferien ja verdient und sollten sie auch in Ruhe genießen, aber sie kommen nicht dazu. Denn ein Untier macht Jagd auf die Schulabgänger und treibt sie durch die Bundesländer. Es ist der Nachwuchsmangel. Er kommt mit ausgestrecktem Arm und hoch gestelltem Daumen. Oft trägt er ein Basecap, kurze Hosen und ein Skateboard unter dem Arm  oder er ist auf Rollschuhen unterwegs. Lauthals schreit er die wenigen Worte, die er kennt: Karriere, Zukunft, Traumjob, Chance und cool. Manchmal entfleucht ihm auch ein geil. Seine Gefährlichkeit sieht man ihm auf den ersten Blick gar nicht an, denn er trägt ein Dauergrinsen im Gesicht. In Zeiten von Diversity tritt er vorsichtshalber in bunt gemischten  Gruppen von Jungen und Mädchen auf. Er bewegt sich sehr auffällig, denn er ist als Hip-Hopper oder Rapper unterwegs, Kopfhörer gehören zu seiner Standardausstattung. Bis zu den Abschlussprüfungen ist der Nachwuchsmangel besonders aktiv. Nicht nur, dass er die Schüler von einer Ausbildungsmesse zur nächsten jagt, er sorgt auch dafür, dass sich erwachsene Menschen kindisch, albern und oftmals peinlich benehmen. Da sind Unternehmen auf einmal cool, Chefs werden hip und Personaler fragen sich permanent, was sie der Generation Y bieten müssen, um sie anzulocken. Einprägsame und anschauliche Beispiele für schlechte HR-Kommunikation finden Sie hier: Die goldene Runkelrübe.

Kurz vor Ausbildungsbeginn scheint die Angst vor dem Nachwuchsmangel allerdings fast überwunden, denn es werden nun ganz andere Töne angeschlagen. Die Daumen gehen nach unten, die kurze Hose bleibt im Schrank und das Antanzen ist nun wörtlich gemeint. Das Untier hat sich verzogen und der frisch gewonnene Azubi sollte nun gucken, wie der Hase läuft.

Aufmerksam, freundlich, interessiert – der beste Eindruck

„Natürlich möchte man einen guten Eindruck machen, wenn man als neuer Azubi in einem Betrieb anfängt. Es ist aber normal, dass es eine Weile braucht, bis man weiß, wie der Hase dort läuft. Da nützt es, aufmerksam alles zu beobachten, gut zuzuhören und ein paar allgemeine Spielregeln zu beachten. Dabei immer freundlich sein und auch das Erscheinungsbild nicht vergessen. Das ist dann schon mal die beste Grundlage für den stolperfreien Start.“ Quelle: Die ersten Tage

Das Untier muss sich von der anstrengenden Marketingkampagnen erst einmal erholen, denn in ein paar Monaten heißt es wieder: STARTE DEINE KARRIERE JETZT!

Wie sich der Mittelstand ernsthaft um Nachwuchs bemüht, lesen Sie in einem Artikel der Wirtschaftswoche vom 18.05.2015.

Wenn Sie selbst Nachwuchssorgen haben, dann finden Sie hier unser Angebot zum AusbildungsMarketing.

Anwaltsgehilfen, Opa und der Mindestlohn

Wie werde ich Gehilfin

Download Artikel vom 10-07-2015

Im Anwalt§universum bedient man sich zur flächendeckenden Nachwuchswerbung gern der Regionalpresse. Damit erreicht man den Azubi zwischen Märkisch Oderland und Nordhessen heute ganz bequem im Internet. Weniger medienkundige Eltern und Großeltern können die Artikel auch wie gewohnt ausschneiden, weitergeben und abheften. Da kommt Opa auch schon durch den Garten geschlurft und wirft das Hamburger Abendblatt vom 10.07.2015 auf den Kaffeetisch, es landet direkt neben dem Pflaumenkuchen.

„Hier, du weißt doch nicht, was du werden willst. Die suchen Anwaltsgehilfen. Im Nachbardorf gibt es einen Anwalt. Das ist zwar nicht üppig mit 1.300 Euro Einstiegsgehalt, aber die Rechthaberei liegt dir ja offensichtlich.“

Regina, die Enkelin, geht davon aus, dass Opa wieder mal von alten Zeiten erzählt oder im Archiv gewühlt hat und sie wird definitiv keine Gehilfin. „Hast wohl noch nichts vom Mindestlohn gehört, Opa?“

„Das gilt wohl für Anwälte nicht, denn es steht ja hier so in der Zeitung, außerdem hat das ein Herr vom Arbeitsamt gesagt. Dafür kann man sich bei der Ausbildung zwischen Gesetzestexten wohlfühlen, meint er.“

„Das muss man wohl dann auch bei dem Lohn. Vor allem sollte man die Gesetze kennen, die man erlässt, zum Beispiel das MiLoG. Ich werde Jura studieren, bist du zufrieden?“

Opa schlägt mit der Zeitung nach den Wespen. „Hier steht, dass ein Anwalt ohne Fachangestellten gar nicht als Anwalt arbeiten könnte.“

„Ach, deshalb wird man so fürstlich entlohnt und muss dann auch noch den Anwalt an die Fristen erinnern.“

„Diese Jugend…“ brabbelt der Alte und schlurft ins Haus. Den Zeitungsartikel legt er sorgsam in seine Schublade.

Nach zwölf Tagen, am 22.07.2015, wurde der Artikel im Netz flächendeckend berichtigt. Die Sache mit dem Mindestlohn ist nun auch den Anwälten aufgefallen und wurde auf den Cent genau korrigiert. Genauigkeit ist übrigens wichtig in dem Beruf, das erhöht die Jobchancen, wie man lesen kann.

„Nach der Ausbildung beginnt das Einstiegsgehalt beim Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde – laut Deutschem Anwaltverein also mindestens 1473,30 Euro pro Monat.“

Aus den Anwaltsgehilfen wurden im Titel nun Anwaltsfachangestellte, was nicht korrekt, aber schon besser ist. In der ReNoPatAusbV kann man die vier verbindlichen Berufsbezeichnungen dieser Berufsgruppe übrigens nachlesen.Regina fragt sich noch, warum die zitierte Azubine im dritten Lehrjahr schon 23 Jahre alt ist. Sie wird doch nicht ihr Jurastudium geschmissen haben? Eigentlich ging es in der Pressemitteilung ja wohl um die neue Ausbildungsverordnung der ReNoPat-Berufe von 29.09.2014, die leider gar nicht hilft, wenn keiner weiß, wie man Gehilfe wird.

Die neue ReNoPatAusbV ist da.

ReNoPatAbVHier muss ich gleich mit einer Abkürzung beginnen, denn die Verordnung über die vier (!) Monoberufe, kann man im Titel unmöglich ausschreiben, schon gar nicht, wenn man das AGG beachtet. Bloß gut, dass sich der zukünftige Auszubildende niemals die Gesetzesgrundlage seiner Ausbildung ansieht, sonst würde er womöglich bei der Aufzählung schon hinschmeißen. Aber wir haben Glück, die neue ReNoPatAbV findet man nur, wenn man überhaupt schon mitbekommen hat, dass es sie gibt. Als angehender Azubi ist es fast unmöglich davon Kenntnis zu erhalten. Berufssuchende Schüler informieren er sich auf Karrieremessen und Veranstaltungen, die von Hoch- und Fachhochschulen gemeinsam mit der IHK und der Handwerkskammer durchgeführt werden. Dass es eine Bundesrechtsanwaltskammer, eine Bundesnotarkammer und eine Bundespatentanwaltskammer gibt, das weiß ein angehender Azubi meist nicht. Allerdings machen die Kammern den Eindruck, als würde sie das nicht sonderlich interessieren. Nun könnte man meinen, das wäre ja auch eher Ländersache. Bei der RAK Berlin, um dies als Beispiel zu nennen, findet der interessierte Lehrling die Ausbildungsverordnung von 1987. Nun könnte man meinen, das wäre Sache der Berufsschule. Beim OSZ Recht und Wirtschaft Berlin, der Hans-Litten-Schule, wird auf der Startseite unter Neues u.a. auf die partielle Sonnenfinsternis verwiesen, ansonsten findet der Berliner Schulabgänger auch hier nur die 28 Jahre alte Ausbildungsverordnung. Aber es ist ja Sommer und bis zum Beginn der Ausbildung wird sich das schon geregelt haben.

Novellierung

Da hat man nun seit 2011 um die neue Verordnung der ReNoPat-Fachangestelltenausbildung gerungen und nun scheint es niemanden zu interessieren. Selbst das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB, hängt im Netz noch bei der Novellierung fest. Dabei wurde alles schon 2014 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und das sollte ja für jeden, der ausbilden will, verbindlich sein. Und da sind wir beim eigentlichen Problem: Nicht jeder, der ausbilden will, hat auch einen passenden Auszubildenden gefunden. Und das liegt nicht am demografischen Wandel und nicht an der Generation Y oder der mangelnden Ausbildungsfähigkeit. Das liegt daran, dass man das Interesse an einer Ausbildung nicht verordnen kann. Man war sich von verantwortlicher Stelle zwar sicher, dass mit der Modernisierung auch das Interesse an dem Berufsbild steigt und damit das Nachwuchsproblem gelöst wird, aber die Praxis sieht anders aus. Man kann als Gesetzgeber eben nur die Rahmenbedingungen festlegen. Wie dieser Rahmenlehrplan dann in den Ländern, in den Berufsschulen und vor allem in den Ausbildungsbetrieben umgesetzt wird, ist dann wiederum abzuwarten. Wenn Sie nicht abwarten wollten, dann können Sie den Rahmenlehrplan der ReNoPat-Berufe hier downloaden. 

„Die Länder übernehmen den Rahmenlehrplan unmittelbar oder setzen ihn in eigene Lehrpläne um. Im zweiten Fall achten sie darauf, dass die Vorgaben des Rahmenlehrplanes zur fachlichen und zeitlichen Abstimmung mit der jeweiligen Ausbildungsordnung erhalten bleiben.“ Kultusministerkonferenz

Die Neuerungen im Kurzüberblick finden Sie in einer Handreichung des BIBB zum downloaden. 

„Wie sich die Berufsschulen auf der Basis des neuen Rahmenlehrplans in Zukunft organisieren werden, bleibt jedoch abzuwarten.“ BIBB

Tabelle Lernfelder ReNoPat

Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Verordnung zwar gut und richtig ist, aber nun wohl doch etwas für die Umsetzung und vor allem für die Nachwuchswerbung getan werden sollte, dann sind Sie hier richtig. Lesen Sie zur Einstimmung das aktuelle Interview mit Eva Engelken im Tellerrand – Blog

Wenn Sie nicht genug bekommen können, dann gibt es hier noch einen Nachschlag zur Nachwuchssicherung ⇒

 …und ab sofort  gibt es dazu auch eine eigene Xing-Gruppe.Logo Renopat 600