Insolvenzsachbearbeiter

Der Insolvenzsachbearbeiter ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein spezielles Beschäftigungsfeld für Rechtsanwaltsfachangestellte, Rechtsfachwirte und Wirtschaftsjuristen. Nach einem gelungenem Quereinstieg in einer Insolvenzrechtskanzlei kann man sich weiterbilden und zum Insolvenzsachbearbeiter zertifizieren lassen. Zertifizierung zum Insolvenzsachbearbeiter ⇒RWS. 

Assistenzberufe Insolvenzsachbearbeiter

Stürmische Zeiten in Sicht

Nicht nur in der deutschen Wirtschaft stehen die Zeichen auf Sturm. Die globale Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft, den Handel und das Leben der Menschen ins Wanken gebracht. Trotz staatlichen Rettungspaketen, Schutzschirmen und Kurzarbeitergeld sind die Folgen für Unternehmen und Privatpersonen noch längst nicht absehbar. Vorerst bis 30. September 2020 wurde per Gesetz die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Diese Maßnahme soll Schlimmeres verhindern, denn die Insolvenzverschleppung ist in Deutschland eine Straftat. Restrukturierung und Sanierung soll den Ernstfall verhindern.

Restrukturierung – Regelinsolvenz – Verbraucherinsolvenz – Eigenverwaltung

Um eine wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden, Geld für die Gläubiger zu retten und ein Unglück für die Betroffenen zu verhindern, gibt es den Rechtsbeistand und im Insolvenzfall die von den Gerichten bestellten Insolvenzverwalter. Die wirtschaftsberatenden Kanzleien sind vorsorgend auf Restrukturierung und Sanierungsberatung ausgerichtet und die Fachanwälte für Insolvenzrecht werfen die Rettungsringe aus. Die Insolvenzordnung (InsO) regelt seit 1999 in Deutschland das Insolvenzverfahren als Teil des Zivilrechts und als spezielles Verfahren der Zwangsvollstreckung. Es dient dazu, mehrere Gläubiger eines zahlungsunfähigen Schuldners gleichmäßig zu befriedigen. Dies gilt für Unternehmen, Banken, öffentliche Einrichtungen und für Privatpersonen. Seit 2012 hat sich die Insolvenz in Eigenverwaltung als ein gängiges Verfahren etabliert, in dem das Unternehmen mit Hilfe von Sanierungsanwälten die Krise vor Ort in Eigenregie bewältigt.

Insolvenzsachbearbeiter für Tabelle, Sachbearbeitung und für die Prozessabteilung

Es gibt erfahrene Sachwalter, sturmerprobte Rechtsanwälte – nur die Insolvenzsachbearbeiter sind im Ansturm der Verfahren und Prozesse wohl verschollen. Jedenfalls sind auf dem Arbeitsmarkt kaum Fachkräfte zu finden. Dies wiederum ist nicht verwunderlich, denn der sehr gefragte Insolvenzsachbearbeiter ist kein Ausbildungsberuf. Zertifizierte Weiterbildungsangebote richten sich derweil an bereits Berufserfahrene, doch den Beruf erlernen kann man am besten an der Seite eines Insolvenzverwalters. Wer diesen Kreis durchbricht und den Mut hat, ins kalte Wasser zu springen, landet in einem verantwortungsvollen, abwechsungsreichen und krisensicheren Arbeitsfeld.

Rechtsanwaltsfachangestellte in der Sachbearbeitung

Da neben Betriebswirten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zumeist Rechtsanwälte vom zuständigen Gericht als Insolvenzverwalter bestellt werden, sind die Sachbearbeiter bevorzugt Rechtsanwaltsfachangestellte. Die ReFa beherrscht die Fristen, die Klageprozesse und Gebührenabrechnung.  Anders als bei den Berufsträgern, die sich z.B. durch einen Fachanwaltstitel auf ihre Spezialisierung vorbereiten können, müssen sich die Sachbearbeiter das Wissen selbst, im besten Fall in Seminaren und Webinaren, aneignen. Aber Sachbearbeitung ist weit mehr als Sekretariatstätigkeit, die man natürlich noch nebenher erledigt. Die Bearbeitung von Insolvenzen ist an eine präzise fach-, sach- und fristgerechte Aufgabenerledigung gebunden, denn Prozesse, Fristen, Listen, Tabellen und Formalitäten bestimmen den Tagesablauf. Nicht zu vergessen die Korrespondenz mit allen Betroffenen und den zuständigen Gerichten, Ämtern und Behörden. An der Seite eines Insolvenzverwalters finden Rechtsanwaltsfachangestellte ein verantwortungsvolles und selbstständiges Arbeitsfeld und die Möglichkeit ihr Wissen wie in Mahn- und Klageverfahren und in der Zwangsvollstreckung anzuwenden und zu erweitern.

Rechtsfachwirte sind gefragt

Die geprüften Rechtsfachwirte sind hier im gefragt. Durch ihre intensive Auseinandersetzung mit dem BGB, der Zwangsvollstreckung und dem Rechnungswesen sind sie auf die Bearbeitung von Insolvenzverfahren vorbereitet. An der Seite eines Insolvenzverwalters finden sie ein Arbeitsfeld, das ihnen Selbstständigkeit und Verantwortung abverlangt und die Möglichkeit bietet, ihr Wissen gut einzusetzen. In der praktischen Tätigkeit, insbesondere im Umgang mit Fristen und Formalitäten sind sie sogar den Wirtschaftsjuristen einen Schritt voraus.

Wirtschaftsjuristen in der Insolvenzsachbearbeitung

Aber auch die Bachelor- und Masterabsolventen im Wirtschaftsrecht und Diplomjuristen können sich im Bereich Insolvenzrecht ein interessantes Arbeitsfeld erschließen. Wer seinen Master auf das Insolvenzrecht ausrichtet, hat gute Chancen für einen Jobeinstieg. Wirtschaftsjuristen können am Schnittpunkt zwischen Wirtschaft und Recht sowohl ihr juristisches Wissen sowie ihre betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Kenntnisse einbringen. Allerdings sollten auch sie sehr gute MS-Office-Kenntnisse, Sorgfalt und administrative Fähigkeiten mitbringen.

Wenn Sie den Sprung ins kalte Wasser wagen möchten und sich für die Insolvenzsachbearbeitung erwärmen können, dann freuen wir uns über Ihre Initiativbewerbung. 1306-01